Eigene Initiativen für den Heimatort : Dorfwettbewerb hat Zukunft

Auf dem Dorf- und Erntefest in Dissen-Striesow (Spree-Neiße) fährt ein Heuwagen durch die Ortschaft.
Auf dem Dorf- und Erntefest in Dissen-Striesow (Spree-Neiße) fährt ein Heuwagen durch die Ortschaft.

Die Veranstaltung will die Lebensqualität im ländlichen Raum stärken / Das ist für vieleOrte im Land weiterhin ein Grund, Initiative zu zeigen

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24. Juni 2019, 05:00 Uhr

Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist nach wie vor für viele märkische Dörfer interessant. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Nach einem stärkeren Rückgang der Teilnehmerzahlen beim Wettbewerb 2008/2009 haben sich die Zahlen wieder stabilisiert“, sagt Tobias Wienand vom Ministerium für ländliche Entwicklung, das den Wettbewerb auf Landesebene alle drei Jahre mit initiiert. Beim 10. Landeswettbewerb hätten 85 Dörfer teilgenommen. 2009 waren es nur 66.

Verglichen mit länger zurückliegenden Teilnehmerzahlen hat der Wettbewerb aber deutlich an Strahlkraft verloren. So waren 1993/1994 beim zweiten Landeswettbewerb 232 märkische Dörfer im Rennen. Das liege auch daran, dass es inzwischen weitere Wettbewerbe im Bereich ländliche Entwicklung gibt. „Während Unser Dorf hat Zukunft mit seiner Zielsetzung einen sehr umfassenden Ansatz zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität in den Dörfern verfolgt, konzentrieren sich andere Wettbewerbe auf Einzelaspekte wie Energieversorgung und die Bausubstanz der Dörfer“, sagt Wienand.

So gibt es seit 2013 den Wettbewerb „Kerniges Dorf“. Dessen Ziel sei die Auszeichnung von Dörfern, deren Ideen, Strategien und Pläne zur Innenentwicklung vorbildlich sind, den gesamten Ort im Blick haben und als Modell für Dörfer mit ähnlichen Strukturen gelten können. „Damit steht dieser Wettbewerb in direkter Konkurrenz zu Unser Dorf hat Zukunft, da die Zielgruppen und auch die Urheberschaften teilweise identisch sind.“

Beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, der zuerst auf Kreis-, dann auf Landes- und letztlich auf Bundesebene bewertet wird, gibt es immer wieder Wiederholungstäter im positiven Sinne. So hatte sich das Dorf Dissen (Spree-Neiße) schon mehrfach beteiligt und wurde zuletzt drei Mal Kreissieger. „Durch die konstruktive Auswertung der Bewertungskommission haben wir immer ein Stück dazulernen können“, berichtet Bürgermeister Fred Kaiser. So habe der Ort sein Konzept anpassen können und sei 2019 Landessieger geworden.

„Dissen hat mit seiner gelebten Symbiose aus beliebtem Wohnort und Ausflugsziel, als Storchen- und Museumsdorf die Bewertungskommissionen in allen Bereichen überzeugt“, heißt es vom Ministerium. Auch deshalb, weil sich der Ort auf die sorbischen Wurzeln zurückbesinnt. „Wir haben beispielsweise die alten sorbischen Hofnamen wieder sichtbar gemacht“, sagt Kaiser. Durch seine Gestaltungssatzung hoffe das Dorf darauf, in die Arbeitsgemeinschaft historische Dorfkerne aufgenommen zu werden.

Zudem will Dissen bis 2030 staatlich anerkannter Erholungsort werden. Das zahlt sich für das Dorf finanziell aus. Jeweils 10 000 Euro hat es für den Sieg auf Kreis- und Landesebene erhalten. Das Geld soll in einen Spielplatz fließen, so Kaiser. Anfang Juli besucht die Bundesbewertungskommission Dissen. „Da wollen wir uns zahlreich und von der besten Seite präsentieren“, sagt der Bürgermeister. Mehr als eine Bronzemedaille solle auf Bundesebene schon herausspringen.

Gute Chancen auf eine Silber- oder Goldmedaille räumt dem Dorf auch der Geschäftsführer des Brandenburgischen Städte- und Gemeindebundes, Jens Graf, ein. „Regionalität und Identität kommen in Dissen besonders stark zur Geltung“, sagt er. Beim Wettbewerb komme es nicht nur auf das Optische an, sondern auf Lebensqualität im ländlichen Raum. Da habe Brandenburg in den vergangenen 28 Jahren viel erreicht. So sei Wiesenburg/Mark (Potsdam-Mittelmark) 2010 als erstes Dorf im Land im Bundeswettbewerb mit der Goldmedaille ausgezeichnet worden. 2016 folgte Sauen (Oder-Spree). Für Graf ist es wichtig, dass sich möglichst viele Dörfer am Wettbewerb beteiligen. „Umso besser stehen auch unsere Chancen, bundesweit für Aufmerksamkeit zu sorgen.“

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