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Kulturzentrum Burg Storkow : Donnerbalken und Massage-Toilette

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lokus, Leibstuhl und Latrine - Das Kulturzentrum auf der Burg Storkow widmet sich einem Tabuthema

Der Ort im Landkreis Oder-Spree ist stolz auf den historischen Stadtkern mit engen, mittelalterlichen Gassen und holprigem Kopfsteinpflaster. Was kaum noch jemandem bewusst ist: Bis in die 1980er Jahre gab es keine Kanalisation. Die Bürger mussten ihre Notdurft auf Plumpsklos verrichten. Da lag es wohl nahe, sich mit dieser Thematik näher zu beschäftigen.

So steht die Geschichte der Toilette- von den antiken Anfängen über derbe Donnerbalken bis zu supermodernen Klosetts mit Radio, Massagefunktion und Sitzheizung im Mittelpunkt der Sonderausstellung, die ab 30. Januar auf der mittelalterlichen Burg Storkow ein Jahr gezeigt wird. „Wir haben einen Besuchermagneten gesucht“, sagt Tourismusmanager Andreas Gordalla. Das Kulturzentrum auf der Burg habe mit der Schau zur legendären DDR-Rockband „Die Puhdys“ gute Erfahrungen gemacht, zu der das Publikum in Scharen strömte.

Durch einen Freund, der Toilettenhäuschen in aller Welt fotografiert, entstand die Idee. Zumal es auf der Burg sechs Aborte gab: Hölzerne, an die Außenmauern gebaute Erker mit Sitzbank, von denen die Notdurft direkt im mit Wasser gefüllten Burggraben landete. „Im Mittelalter eine saubere Sache“, kommentiert Gordalla und verweist auf die zugemauerten, aber noch deutlich sichtbaren Zugänge in der Burgmauer.

Für Franziska Kreis, Kuratorin der Ausstellung, ist das Tabu-Thema Klo aber nicht nur etwas zum Schmunzeln. „Jeder dritte Mensch weltweit hat noch immer keine sichere und saubere Toilette zur Verfügung. Etwa 1000 Kinder sterben täglich an Durchfallerkrankungen, hervorgerufen durch mangelnde Hygiene“, hat sie mit Unterstützung der German Toilet Organization (GTO) recherchiert. Wenn dieses Thema nicht öffentlich gemacht werde, könne sich die Situation nicht verbessern, ist die studierte Museumspädagogin überzeugt. „Um das Toiletten-Tabu zu brechen und das Hygienebewusstsein auch in Deutschland zu entwickeln, ist Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig“, sagt Svenja Ksoll von der GTO, die bei der Ausstellungsvorbereitung half. Sie ist besonders angetan von der Bildungsarbeit, die Kuratorin Kreis vorhat.

Gerade Kindern will die Museumspädagogin im Begleitprogramm zur Schau bewusst machen, wie komfortabel man heute in Deutschland lebe und wie wichtig auch das Händewaschen nach der Klobenutzung ist.

Um das Bewusstsein auf den sparsamen Verbrauch von Toilettenpapier zu lenken, wird Kreis mit Jungen und Mädchen Papier schöpfen, mit Jugendlichen einen Werbefilm für den Welttoilettentag am 19. November drehen. Und sie will mit Besuchern über Ressourcenschonung diskutieren. „Wir spülen unsere Toiletten mit Trinkwasser, angesichts der weltweiten Wasserknappheit ist das eigentlich ein Unding“, so die Kuratorin, die ihre Führungen durch die Ausstellung „öffentliche Stuhlgänge“ nennt.

Viele der rund 200 Exponate stammen aus der Sammlung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens. Wertvollstes Stück ist laut Gordalla die Nachbildung eines bemalten Keramik-Kinderhochstuhls mit Töpfchen aus der römischen Antike. Seltenheitswert haben hölzerne „Kackstühle“ mit raffinierten Klappmechanismen, die aussehen wie wertvolle hölzerne Kommoden und im 18. und 19. Jahrhundert dem Adel vorbehalten waren. Regionale Nachttöpfe, Bettpfannen und Toilettenstühle hat Kreis von Privatleuten und aus Heimatstuben zusammengetragen. Mehrere moderne, Tausende Euro teure Konstruktionen in der Schau sind Leihgaben einer japanischen Firma. Der Storkower Tüftler kurioser Fahrräder, Didi Senft, steuert einen extra für die Ausstellung konstruierten Klo-Drahtesel bei.

Thematisiert werden verschiedene Kulturen des Prozederes auf dem stillen Örtchen - ob nun Sitzen oder Hocken, die Entstehung öffentlicher Pissoirs oder Abtrittsgebäude sowie die auf dem Lande beliebten Brautgeschenke - Nachttöpfe mit derben Sprüchen drauf.

Besucher erfahren, dass das erste Wasserklosett Ende des 19. Jahrhunderts für die englische Queen erfunden wurde, sich die Toilette mit Wasserabflussrohr jedoch erst viel später durchsetzte. Erläutert wird auch, dass sich das aktuell teuerste Klo der Welt, das Urin wieder in Trinkwasser verwandelt, auf der Raumstation ISS befindet.  

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