Dom Brandenburg: Wiege der Mark

Im Backsteindom wird regelmäßig Gottesdienst gefeiert. Die Gemeinde hat rund 600 Mitglieder. Barbara Schneider
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Im Backsteindom wird regelmäßig Gottesdienst gefeiert. Die Gemeinde hat rund 600 Mitglieder. Barbara Schneider

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24. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Brandenburg/Havel | Vor der Kathedrale toben mehrere Grundschüler durch den Schnee. Ein Lehrer schiebt sein Fahrrad über den vereisten Hof, unterdessen tippt in einem Fachwerkhaus ein Archivmitarbeiter Daten in seinen Computer ein. Alltag auf der Dominsel zu Brandenburg, eines der wohl traditionsreichsten Kirchenensembles in der Mark Brandenburg. "Wiege der Mark" wird der Dom St. Peter und Paul in Brandenburg bis heute genannt.

"Der Dom ist eine lange mit Brandenburg verwurzelte Einrichtung", sagt Rüdiger von Schnurbein, der das Museum auf der Dominsel leitet. Die Geschichte des Brandenburger Domstifts reicht bis ins erste Jahrtausend nach Christus zurück: 948 gründete Otto der Große das Bistum Brandenburg. Die Stadt wird erst katholischer Bischofssitz, im Zuge der Reformation dann evangelisch. Bis heute gilt Brandenburg als bedeutendes kirchliches Zentrum in der Mark. Im kommenden Jahr feiert das Domkapitel seine Neugründung vor 850 Jahren.

Waren die Domherren in den Anfangsjahren für Gottesdienst und Verwaltung zuständig, ist das Domkapitel heute ein ehrenamtlicher, prominent besetzter Aufsichtsrat. Zu ihm gehört etwa der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe, Berlins Altbischof Wolfgang Huber hat den Vorsitz. Auch der frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff war bis zu seinem Tod vor zwei Jahren Mitglied des Domkapitels.

Bis heute ist der Domstift zu Brandenburg aber auch wirtschaftliches Unternehmen: 1800 Hektar Wald gehören zum Domstift sowie ein Sägewerk. Fischerei und die rund 1200 Hektar Ackerland und Wiesen sind verpachtet. Zu dem Unternehmen gehören aber auch zahlreiche Immobilien auf dem Burghof. Zehn fest angestellte Mitarbeiter arbeiten hier, darunter ein Domkantor, ein Forstmeister sowie Museumsleiter Schnurbein.

Schnurbein hat in den mittelalterlichen Räumen des ehemaligen Chorherrenstifts eine Ausstellung über die Geschichte des Domstifts erarbeitet. Liturgische Gewänder sind hier zu sehen. In einem abgedunkelten Räumen ist das bestickte Brandenburger Hungertuch aus dem Jahr 1290 ausgestellt. Aber auch wertvolle spätmittelalterliche Buchdrucke liegen in den Vitrinen: die berühmte Weltchronik von Hartmann Schedel von 1493 etwa oder ein Hebammen-Lehrbuch aus dem Jahr 1532.

Bis heute ist der Dom in Brandenburg ein Zentrum des geistlichen Lebens. Nach Angaben von Dompfarrer André Wiethölter hat die Gemeinde 600 Mitglieder. Tendenz steigend. In dem Backsteinbau wird regelmäßig Gottesdienst gefeiert. Vor allem junge Familien kommen zu den Veranstaltungen. Weit über Brandenburg hinaus sind die Sommermusiken im Dom bekannt.

Über die Jahre ist das Domstift aber immer auch Bildungseinrichtung gewesen: War hier von 1705 bis 1937 die Ritterakademie beheimatet, in der noch Otto Graf Lambsdorff seine Ausbildung genoss, gibt es seit mehr als zehn Jahren auf der Dominsel eine evangelische Grundschule. Derzeit wird das ehemalige Predigerseminar zu Hort und Grundschule umgebaut. Und auch ein Kindergarten gehört zum Domstift. 2006 wurde schließlich - in der Tradition der Ritterakademie - ein evangelisches Gymnasium eröffnet. "Wir haben ein Bildungsprogramm für Kinder vom Kindergarten bis zum Abitur", sagt von Schnurbein.

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