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Baumschule Lorberg : Diese Fichten erhält Putin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Blaue Fichten am Roten Platz kommen aus Brandenburg. Branche leidet unter Absatzproblemen

svz.de von
erstellt am 14.Sep.2016 | 08:56 Uhr

Blaue Fichten am Roten Platz: Wenn Kremlchef Wladimir Putin aus seinem Amtssitz in Moskau blickt, schaut er auf Bäume aus Deutschland. Mehr als 100 Blaue Stechfichten hat die Baumschule Lorberg aus Brandenburg rund um den Kreml gepflanzt.

„Die Russen tauschen alle 25 bis 30 Jahre diese Fichten aus, die an der Kremlmauer stehen. Denn die sind dann so hoch gewachsen, dass man die Mauer nicht mehr sieht und dann werden sie ausgewechselt“, sagte Unternehmenschef Stefan Lorberg. Zum Preis machte er keine Angaben.

Arbeiten rund um das Areal im Moskauer Zentrum gelten als hochsensibel, der Sicherheitsdienst FSO des Präsidialamts kontrolliert das Gebiet mit Patrouillen und zahlreichen Kameras. Traditionell werde die Blaufichte am Kreml gepflanzt: Picea pungens Glauca, so der wissenschaftliche Name des Baumes, gilt als besonders unempfindlich gegen die hohe Luftverschmutzung in der russischen Hauptstadt und überhaupt als recht anspruchslos.

„In Osteuropa und speziell in Russland sind die Winter länger und deshalb werden dort sehr viel mehr Nadelgehölze gepflanzt, auch um vom tristen Wetter abzulenken und ein bisschen gelbe, grüne oder blaue Farbe im Winter zu haben“, sagte Lorberg. Sein Unternehmen liefert zudem Hecken der Art Thuja brabant an die russische Präsidialverwaltung.

Das Auslandsgeschäft, bei dem Russland trotz seiner Wirtschaftskrise eine zentrale Rolle spielt, macht bei vielen deutschen Baumschulen einen guten Teil des Umsatzes aus.

Bäume aus Deutschland sind ein echter Exportschlager. Neben den Blaufichten am Kreml stehen Eiben-Kegel am Schloss Versailles, Birken an der Tower Bridge: An zahlreichen Wahrzeichen in Europa haben deutsche Landschaftsgärtner ihre Bäume und Sträucher eingepflanzt. „Nur ganz wenige Anbieter in Europa haben solch eine Qualität im Programm wie die deutschen Spitzenbaumschulen“, sagt Walter Dirksmeyer vom Thünen-Institut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Etwa 20 Prozent ihres Umsatzes von rund einer Milliarde Euro machen die deutschen Baumschulen im Ausland.

Einer der Hauptmärkte ist Russland - trotz der dortigen Wirtschaftskrise und des Rubel-Einbruchs, was auch die deutschen Betriebe zu spüren bekamen. So sackten die Erlöse der größten Baumschule in der EU, Bruns-Pflanzen in Bad Zwischenahn, in Russland um 25 Prozent ab. Kunden sind oft Oligarchen, die ihre Privatgärten mit deutscher Ware bestücken lassen. „Wenn wir diese großen Projekte in Osteuropa nicht hätten, wären wir noch stärker eingebrochen“, erzählt Geschäftsführer Jan-Dieter Bruns.

Doch abseits der großen Vorzeigeprojekte ist die Lage der Branche, die sich von diesem Mittwoch (14. September) an zur viertägigen Fachmesse GaLaBau in Nürnberg trifft, schwierig. Von „uneinheitlichen Tendenzen“ spricht der Bund deutscher Baumschulen. „Es wird einerseits viel und hochwertig gebaut, was eine ebensolche Pflanzennachfrage auslöst“, sagt Hauptgeschäftsführer Markus Guhl.„Andererseits werden die Gärten durch die bauliche Verdichtung immer kleiner, was dem Pflanzenabsatz entgegenläuft.“

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