Schulprüfungen in Brandenburg : Die wohl teuersten Postboten der Welt

Prüfungsunterlagen sind in Brandenburg höchst sensible Unterlagen. Sie dürfen nicht einfach verschickt werden.
Prüfungsunterlagen sind in Brandenburg höchst sensible Unterlagen. Sie dürfen nicht einfach verschickt werden.

100 Kilometer Fahrtweg? Brandenburgs Schulleiter müssen alle Prüfungsaufgaben persönlich abholen

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21. Juni 2016, 05:00 Uhr

Brandenburgs Schulleiter sind auch gut bezahlte Boten. Wenn Abiturprüfungen anstehen oder Schüler nach Klasse sechs auf eine weiterführende Schule wechseln, müssen die Schulleiter die Prüfungsunterlagen persönlich beim zuständigen Schulamt abholen. Das gilt auch, wenn zwischen Schule und Schulamt 100 Kilometer zurückzulegen sind, heißt es in einer Antwort des Potsdamer Bildungsministeriums auf eine Anfrage des Prignitzer CDU-Landtagsabgeordneten Gordon Hoffmann.

„Bei den dargestellten und zu übergebenden Unterlagen handelt es sich um vertrauliche Unterlagen im Sinne des Datenschutzes oder um Prüfungsunterlagen, die mit der höchsten Sensibilität, Vertraulichkeit und unter Sicherheitsaspekten behandelt werden müssen.“ Auch habe sich diese Praxis bewährt.

„Ich verstehe nicht, warum das nicht einfach ein Kurierdienst machen kann“, sagte Hoffmann. Ein Schulleiter werde in der Regel nach Tarif A 16 bezahlt – dies ergebe ein Bruttogehalt von etwa 5000 Euro. „Das ist deutlich mehr als das Gehalt eines Briefträgers oder des Büroboten im Ministerium – wir reden hier von den teuersten Briefträgern der Welt.“

Angesichts des im Land herrschenden Lehrermangels könne es nicht sein, dass Schulleiter mit Botengängen „ihre Zeit vertrödeln“, so Hoffmann. „Diese Zeit brauchen die Schulleiter für die Qualitätsentwicklung der Schulen und die Organisation des Unterrichts.“

Die Landesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Katrin Wienczek, sieht die Angelegenheit emotionslos. Natürlich könnten Kuriere die Botengänge übernehmen. „Wenn aber dabei das Postgeheimnis gebrochen wird, könnten wir das Abitur vergessen“, sagt die Gewerkschaftsvertreterin. „Das müssen wir schon bedenken.“

Bei Kurierunternehmen sorgt die Antwort der Landesregierung indes für Kopfschütteln. Markus Wohsmann, Leiter der Pressestelle Nord der „Deutschen Post-DHL Group“, erklärte gegenüber der Rundschau, dass sein Unternehmen anderswo „des öfteren“ zum Versand von Prüfungsunterlagen benutzt werde. „Inwiefern es im Land Brandenburg nun Datenschutzanforderungen gibt, die über die Regeln anderer Länder hinausgehen, kann ich aber nicht sagen.“

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