Wolfspopulation : Die Wölfe breiten sich weiter aus

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Brandenburgs Jagdverband warnt vor Gefahren für Mensch und Weidetiere

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23. Juni 2016, 05:00 Uhr

Brandenburgs Jäger warnen vor mehr Begegnungen mit Wölfen und einer Zunahme gerissener Nutztiere. Hintergrund sei ein rasanter Anstieg der Wolfspopulation durch Jungtiere, heißt es beim Jagdverband.

Die Jäger erwarten einen Zuwachs von bis zu 30 Prozent. Vier bis sechs Welpen hätten die Wölfinnen im April und Mai zur Welt gebracht, heißt es beim Landesjagdverband (LJVB). Präsidiumsmitglied Udo Appenzeller schlägt Alarm: .„Wer eins und eins zusammenzählen kann, ahnt, dass Begegnungen mit Wölfen zunehmen werden. Niemand kann ausschließen, dass es dabei zu Missverständnissen kommt, die eine direkte Konfrontation zur Folge haben.“

Für das Wolfsjahr 2015/16 bestätigt das Umweltministerium 45 Welpen. Im Norjahr waren es 41. Mit Prognosen zur Zahl der in diesem Jahr geborenen Wölfe hält sich das Ministerium zurück. „Wir rechnen aber mit einer Zunahme“, sagt ein Sprecher. Die Zahl der Wölfe im Land schätzen Verantwortliche auf bis zu 140. Der LJVB geht davon aus, dass die Population größer ist und rasant steigt. Der Wolf müsse aus der Liste streng geschützter Tiere, die nicht bejagt werden dürfen, gestrichen werden, fordert der Verband.

Meist ernähren sich Brandenburgs Wölfe von Rehen, Rot- und Damwild sowie Wildschweinen. „Auch Schafe und Nutztiere im Gatter können eine leichte Beute sein, wenn sie nicht ausreichend geschützt sind“, sagt Robert Franck, Wolfsbeauftragter des LJVB.

Besondere für Schafhalter hat die Landesregierung Fördermöglichkeiten geschaffen, um Tiere vor Wolfsangriffen besser zu schützen. In der Vorwoche unterzeichnete Minister Jörg Vogelsänger (SPD) eine Vereinbarung, durch die EU-Mittel zum Erwerb von Herdenschutzhunden in die Mark fließen.

Das Forum Natur Brandenburg mit Spitzenverbänden des ländlichen Raumes, begrüßt die Neuregelung und kritisiert viele ungeklärte Fragen. Der wachsende Wolfsbestand verschiebe bald den Fokus von Schafen auf Rinder- und Pferdehalter, sagt Vorsitzender Gernot Schmidt. „Momentan missbrauchen wir die Weidetierhalter als Versuchskaninchen und verschließen die Augen vor den Schadensdimensionen, die schnell auf uns zukommen werden.“ Der Wolfsmanagementplan des Landes basiere auf eklatanten Fehleinschätzungen und müsse dringend überarbeitet werden.

Harriet Stürmer

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