Weiterhin Probleme : Die weißen Flecken sollen bleiben

Weit verbreitet: Funklöcher gibt es nicht nur in Brandenburg, in Wuppertal heißt sogar eine Straße so.
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Weit verbreitet: Funklöcher gibt es nicht nur in Brandenburg, in Wuppertal heißt sogar eine Straße so.

Das Mobilfunknetz wird wohl nie flächendeckend in Brandenburg.

svz.de von
11. Mai 2017, 05:00 Uhr

Im Berliner Olympiastadion ist die Verbindung top. Auf der Fanmeile am Brandenburger Tor zeigen die Netzanbieter, was die Technik hergibt. Aber Brandenburg? Eine Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Landtages brachte Ernüchterndes.

Eigentlich ist alles gut. Und es wird noch besser: Bis 2019 werden die drei großen Anbieter im Mobilfunkbereich in Brandenburg 97 Prozent der Haushalte mit dem schnellsten Handynetz (LTE) versorgen. Das war die frohe Botschaft, die Gerhard Jeutter von der Bundesnetzagentur zu Beginn der Ausschusssitzung in den Raum stellte. Dann setzten die Ernüchterungen ein. Beispielsweise hat die Bundesnetzagentur keine Handhabe, die Funknetzbetreiber zu beauftragen, bestimmte Orte mit einem leistungsfähigen Netz zu versorgen.

Die Vertreter der drei großen Anbieter (Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland) berichteten, wie teuer der Lizenzerwerb vom Bund war, wie viel sie jährlich investieren (aus Wettbewerbsgründen wurden keine konkreten Zahlen genannt) und wie groß die Schwierigkeiten in Brandenburg sind.

So wird es bis 2020 oder 2022 Probleme im Grenzbereich geben, weil die Absprachen mit der polnischen Seite zur Abstimmung der Frequenzen sich kompliziert gestalten. In den Biosphärenreservaten Spreewald und Schorfheide behindere der Naturschutz die Errichtung neuer Basisstationen oder Funkmasten.

Philippe Gröschel (Telefonica Deutschland) formulierte den Anspruch seines Unternehmens so: Flächendeckendes Netz meint Wohnorte – Wälder, Felder oder Landstraßen seien nicht gemeint, sie rentierten sich nicht. Das gilt auch für kleine Siedlungen.

Der CDU-Abgeordnete Dierk Homeyer fragte nach, ob 97 Prozent der Haushalte das letzte Wort sei. Er errechnete, dass dann mindestens 25 000 Haushalte ohne vernünftiges Funknetz leben müssten. Dem wurde nicht widersprochen.

Jens Aasmann, Amtsdirektor von Rhinow (Havelland), hörte sich das lange an, bevor er die Situation in seiner Region schilderte. Mehrere Ortsteile liegen in einem Funkloch. Ein Dorf mit 280 Einwohnern samt Schlosshotel mit Tagungsangebot hat keinen stabilen Empfang. Im März entdeckte eine Autofahrerin einen brennenden Wagen am Straßenrand. Sie konnte von dort aus den Notruf nicht alarmieren und musste dazu den Unfallort verlassen. „Früher oder später geht so etwas tödlich aus“, sagte Aasmann.

Den Bürgermeister von Rheinsberg Jan-Peter Rau plagen ähnliche Sorgen. Die Gemeinde ist dünn besiedelt. Aber es gibt jährlich 560 000 Übernachtungen, mehr hat nur Potsdam. Und die Touristen wollen bei Kanu-Ausflügen ihr Navi benutzen oder Fotos verschicken. Die Vertreter der Netzanbieter zeigten sich erstaunt. Sowohl Rhinow als auch Rheinsberg galten bei ihnen eigentlich als versorgt.

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