zur Navigation springen

Drei Menschen getötet : Die Tragödie einer Familie

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mutter nennt erschreckende Details zur Vergangenheit des 24-jährigen Jan G. aus Müllrose, der drei Menschen getötet hat

svz.de von
erstellt am 10.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Anderthalb Wochen nach den furchtbaren Taten des 24-jährigen Jan G. kommen erschreckende Details zur Vergangenheit des psychisch kranken Intensivtäters aus Müllrose ans Licht. Die Mutter des mutmaßlichen Dreifachmörders hat der „Märkischen Oderzeitung“ die ganze Tragödie der Familie offenbart.

Jahrelang hat Leila G. verzweifelt versucht, die verantwortlichen Behörden auf die Gefährlichkeit ihres Sohnes aufmerksam zu machen. Doch Jan G. blieb auf freiem Fuß – und das, obwohl der 24-Jährige immer wieder straffällig wurde und bekannt war, dass er Drogen konsumiert und schwer psychisch krank ist.

Bereits im Jahr 2009 habe ihr Sohn einem Bekannten mit einem Messer in den Hals gestochen, erzählt Leila G. Der junge Mann konnte nur durch eine Not-Operation gerettet werden. Hilmar S., der Lebensgefährte der Mutter, berichtet, dass Jan G. auch ihn mit einem Messer habe töten wollen. Beide Vorfälle sind in einem Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) vom November 2016 belegt. Dort musste sich Jan G. damals unter anderem wegen Körperverletzung verantworten. Die Richter folgten der Einschätzung eines Gutachters und erklärten den Angeklagten wegen einer diagnostizierten Schizophrenie für schuldunfähig. Er wurde in allen Punkten freigesprochen, die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Stattdessen wurden Jan G. Medikamente verschrieben. Deren Einnahme, sagt Leila G., habe jedoch niemand kontrolliert. Ebenso habe offenbar niemanden interessiert, dass ihr Sohn drogenabhängig sei. Die Familie habe sich im Stich gelassen gefühlt – auch von der Bewährungshilfe und dem gerichtlich bestellten Betreuer.

Erst vor wenigen Monaten hatte Leila G. mithilfe des Landkreises Oder-Spree beantragt, dass ihr zunehmend aggressiver Sohn in eine geschlossene Psychiatrie zwangseingewiesen wird. Landrat Rolf Lindemann (SPD) kommt nach Analyse der Maßnahmen seiner Behörde im Fall Jan G. so auch zu dem Schluss, „dass keine Versäumnisse des Kreises zu erkennen sind“. Ein psychiatrisches Gutachten gab der Mutter recht. Doch das Amtsgericht Eisenhüttenstadt entschied anders.

Noch im Februar hatte dann das Landgericht Frankfurt zu entscheiden, ob die Bewährung widerrufen wird, nachdem Jan G. von der Polizei ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss am Steuer erwischt wurde. Ihm drohte abermals die Einweisung in die Psychiatrie. Doch erneut gab es keine Konsequenzen für den jungen Intensivtäter. Nicht jeder Verstoß gegen die Bewährungsauflagen rechtfertige einen Widerruf, heißt es zur Begründung beim Gericht. „Es muss immer eine Gesamtbewertung aller Umstände stattfinden“, sagt ein Sprecher. Jan G. habe nach wie vor als medikamentös behandlungsfähig gegolten.

Seine Mutter erzählt, dass sie seit Langem in großer Angst vor ihm gelebt hat. Es habe Morddrohungen gegen die ganze Familie gegeben. Auch habe ihr Sohn gedroht, sich selbst zu töten.

Heute will sie nichts mehr zu tun haben mit dem jungen Mann, der am Dienstag vergangener Woche seine Großmutter erstochen und auf der Flucht zwei Polizisten mit dem Auto überfahren und getötet hat. Während der Taten stand Jan G. unter dem Einfluss von Ecstasy und Psychopharmaka. Das habe der Drogentest ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt gestern mit.
 
 
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen