Erdholländermühle Greiffenberg : Die „Spinner“ sind am Ziel

Gerolf Rother hat bereits die Müllerskunst erlernt.
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Gerolf Rother hat bereits die Müllerskunst erlernt.

Einst belächelte Enthusiasten restaurieren Erdholländermühle. Ab Oktober wird gemahlen

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03. April 2017, 15:00 Uhr

Sie wurden jahrelang als „Spinner“ abgetan und brauchten einen langen Atem. Jahrelang setzten sich Vereinsmitglieder für den Wiederaufbau der Greiffenberger Mühle ein. Nun steht sie wieder.

Wer das uckermärkische Städtchen Greiffenberg in Richtung Westen verlässt, dessen Blick fällt unweigerlich auf eine seltsame hölzerne Konstruktion, die auf einer Anhöhe rechts der Landstraße thront. Das Holz ist noch nicht verwittert, wirkt wie frisch verarbeitet, ragt achteckig 15 Meter in die Höhe und ist an den Seiten mit ebenfalls hölzernen Schindeln bedeckt. „Die Flügel fehlen noch, sonst wäre wohl jedem sofort klar, dass es sich um eine Mühle handelt“, sagt Horst Fichtmüller stolz.

Der Verein „Windmühle Greiffenberg“ hat auch mit Unterstützung von Handwerksbetrieben die historische Erdholländermühle von 1830 wiederaufgebaut. Vor elf Jahren wurden die Reste geborgen, später das historische Fundament saniert. Vor knapp vier Jahren begann dann der Wiederaufbau.

Am 7. Oktober wird erstmals gemahlen, kündigt der Vereinsvorsitzende Fichtmüller an. „Wir haben ja extra einen Elektromotor eingebaut.“ Dem 43 Mitglieder zählenden Verein gehören seit vergangenem Jahr zwei ausgebildete Wind-Müller an, die sich beim Britzer Mühlenverein in Berlin in die Geheimnisse des alten Handwerks einweisen ließen.

Einer von ihnen ist Gerolf Rother, der gern durch den dreistöckigen Neubau führt. „Ich weiß jetzt, wie gemahlen wird. Dazu müssen wir aber das Natursteinmahlwerk erst wieder einbauen“, erzählt der 66-Jährige.

Der Greiffenberger Bäcker Wolfgang Schmidt jedenfalls ist begeistert. So wie einst seine Vorfahren das Getreide der Windmühle verarbeiteten, will auch er es künftig wieder tun. „Ich finde es toll, dass sie wiederaufgebaut wird. Solche Bauten machen schließlich die Uckermark aus“, sagt Schmidt, der in seinem 1897 gegründeten Familienbetrieb selbstverständlich eine Sammelbüchse für die Mühle stehen hat.

Doch das Projekt sei in der Region nicht unumstritten, sagt er. „Manche Leute verstehen nicht, wie man dafür so viel Geld investieren kann.“ Fichtmüller ist sich da keiner Schuld bewusst. Schließlich hat der von ihm geführte Verein die bisher investierten 250 000 Euro allein durch Spenden und Sponsoren zusammenbekommen.

Um offizielle Fördermittel hatten sich die Greiffenberger Mühlenfans bisher vergeblich bemüht. „Weil niemand uns zutraute, dass wir die daran gebundenen 25 Prozent Eigenanteil aufbringen können“, erzählt der Pfarrer im Ruhestand.

Torsten Rüdinger von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg ist voll des Lobes für den Verein. „Was die da hinbekommen haben, ist eine großartige Leistung. Erdholländermühlen sind ohnehin selten in der Mark. Denn sie waren einst aufwendig zu bauen und daher kostspielig. Eine funktionsfähige gibt es nicht mehr“, erläutert er.

Die Vereinsmitglieder bezeichnen ihr Werk gern als „Königsmühle“. Nach Angaben des Brandenburger Landesamts für Denkmalpflege liebte Preußenkönig Friedrich II. diesen Mühlentyp – erdverbunden und kraftvoll.

Fichtmüller kann sich noch gut daran erinnern, wie er und seine Mitstreiter Mitte der 1990er-Jahre belächelt wurden, als sie begannen, die ersten Spenden zu sammeln. Jeder in der Gegend kannte die Ruine, die über Jahrzehnte immer mehr verfiel. Den meisten erschien ein Wiederaufbau illusorisch.

„Retten konnten wir von der Originalsubstanz nur noch die sogenannte Königswelle, die Körnerwalze und einen Dieselmotor, der 1920 vom Müller eingebaut worden war, um auch bei Windstille arbeiten zu können“, erzählt Fichtmüller. Die Welle ist wieder eingebaut, dazu ein neues Kammrad. Aus einer alten Mälzerei in Angermünde hat sich der Verein einen historischen Sackaufzug geholt. Oben auf den Mühlenkörper muss noch die drehbare Kappe mit der Flügelwelle gesetzt werden.

Je mehr die Mühle wuchs, umso mehr Unterstützer fand der Verein. Spätestens 2019, so die ehrgeizigen Ziele Fichtmüllers, soll die Mühle ihre Flügel bekommen. Bis dahin müssen allerdings noch etwa 240 000 Euro zusammenkommen. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen bleibt der ehemalige Pfarrer optimistisch. Und er freut sich auf viele Besucher. „Wir hatten hier schon Konzerte und Tagungen.“ Von Mai bis Ende September kann die Mühle an jedem Sonntag besichtigt werden.

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