Brauchtum : Die Seele lebt im Baum

Urnenübergabe zur Baumbestattung in Tschechien. Tree of Life-Geschäftsführer Marcel Hohmeyer (r.) und der Notar.
Urnenübergabe zur Baumbestattung in Tschechien. Tree of Life-Geschäftsführer Marcel Hohmeyer (r.) und der Notar.

Besonderes Asche-Erde-Gemisch ist neuer Trend im Bestattungswesen.

svz.de von
22. November 2015, 09:00 Uhr

Von der Beisetzung im Friedwald bis zur Urne im heimischen Garten – im Bestattungswesen gibt es immer wieder neue Trends. Ein Familienunternehmen aus der Prignitz bietet seinen Kunden nun bundesweit erstmalig an, aus einem Asche-Erde-Gemisch einen Baum zu ziehen.

Vor 13 Jahren gründete die Familie in Perleberg das erste Privatkrematorium im Osten Deutschlands „Wir wollten besseren Service als die anderen bieten“, erinnert sich der 36 Jahre alte Michael Hohmeyer. Ein genauer Termin für die Urnenbestattung – das war damals neu. Diesen Innovationsgeist habe man sich bewahrt.

Wie wäre es, wenn die Seele eines Verstorbenen direkt in einem Baum weiterleben könnte?, fragte sich Familie Hohmeyer vor acht Jahren. Es war der Auftakt für unzählige Testreihen etwa mit Tierasche, für eine Odyssee zu Baumschulen in halb Europa. Im Gepäck die Fragen: Wie groß muss der Topf sein, wie das Mischverhältnis aus Asche und Spezialerde aussehen, damit darin ein Baum gedeiht? Wie kann man in Deutschland mit seinem Bestattungszwang überhaupt so ein Angebot machen?

Einzig Bremen hat jüngst das entsprechende Gesetz gelockert. Dort ist es nun unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, die Asche im heimischen Garten zu verstreuen. Eine Zeremonie, die Manfred Hohmeyer, dem Senior der Familie, übrigens nicht gefällt. „Die Angehörigen wollen einen festen Platz zum Trauern, zum Zwiesprache halten“, ist der 58-Jährige überzeugt.

In Brandenburg hatten sich vor gut einem Jahr auf Nachfrage dieser Zeitung Sprecher aller Landtagsfraktionen außer der CDU offen für eine Änderung des Bestattungsrechts nach Bremer Vorbild gezeigt. Zu einer Gesetzesinitiative kam es aber bisher nicht, wohl wegen der vielen Gegner der Liberalisierung. „Friedhofsbetreibern, Steinmetzen und den Kirchen gefällt nicht, was wir tun“, weiß Manfred Hohmeyer. Er wählt die Worte mit Bedacht, will kein Öl ins Feuer gießen, niemand verärgern.

Aber wenn sich Menschen andere Bestattungsformen wünschen, sei es legitim, Angebote zu machen, findet er. Und legal sei das selbstverständlich auch, was man sich bei „Tree of Life“ (Baum des Lebens) überlegt hat.

Der Ablauf: Im Sterbefall gibt es in Deutschland eine Trauerfeier, dann überführt „Tree of Life“ die Urne gesetzeskonform in die Niederlande, nach Tschechien oder in die Schweiz, wo „Aschefreiheit“ herrscht. Dort findet unter rechtlicher Aufsicht die dokumentierte Baumbestattung statt. Dabei wird die Asche des Verstorbenen in ein Erde-Substratgemisch gegeben, in das der Wunschbaum gepflanzt wird.

Neun bis 18 Monate entwickeln sich die Wurzeln, dann übergibt das Bestattungsunternehmen den Baum an die Hinterbliebenen. In der Zwischenzeit werde er in der jeweiligen Baumschule „bemuttert“, wie Manfred Hohmeyer betont.

Seit drei Jahren bietet „Tree of Life“ Baumbestattungen bundesweit an, in Zusammenarbeit mit Bestattungshäusern, 13 Partner haben Hohmeyer und seine Söhne in Brandenburg. Der Preis für den Service liegt bei rund 1700 Euro, egal für welche Baumart. Am beliebtesten sind Japanische Blütenkirsche, Magnolie, Roteiche, Trauerbirke, Ahorn und Gingko. „Nadelbäume bieten wir auch an. Sie brauchen etwas mehr Zeit zum Anwachsen“, erzählt der 39 Jahre alte Marcel Hohmeyer, gelernter Betriebswirt und Gärtner.

Rund zwei Meter groß sind die Bäume bei Auslieferung in einem großen Kokostopf, der sich nach dem Einpflanzen auflöst. Eine Garantie, dass die Zöglinge „alt wie ein Baum“ werden, kann die Firma nicht geben. Schließlich handele es sich um ein Naturprodukt. Gute Pflege sei wichtig. Sollte der Baum wirklich eingehen, könne man immerhin seine Überreste häckseln und als Nährstoffe rund um einen neuen Baum in die Erde bringen.

Für den Standort eines Lebensbaumes gebe es viele Möglichkeiten, vom heimischen Garten bis zu ganz anderen Flächen, von deren Eigentümern man sich jedoch die Genehmigung für das Anpflanzen holen müsse. In einer Gemeinde im Südwesten Deutschlands gebe es etwa die Möglichkeit, Bäume für eine Lindenallee zu spenden, erzählt Manfred Hohmeyer.

Auch das Pflanzen von Lebensbäumen auf Friedhöfen könne er sich gut vorstellen. Hohmeyer beteuert, dass er niemand das Geschäftsfeld kaputt machen und auch Kommunen nicht um ihre Einnahmen bringen wolle. „Wir würden uns über eine Zusammenarbeit freuen“, appelliert er an die Betreiber von Friedhöfen.

Internetadresse: www.tree-of-life-baumbestattungen.de

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