Lesestoff für die Jüngsten : Die Seele aus Kindersicht

Wo steckt die Seele? Zeichnung aus Christina Röckls Kinderbuch „Und dann platzt der Kopf“
Wo steckt die Seele? Zeichnung aus Christina Röckls Kinderbuch „Und dann platzt der Kopf“

Gestern begann in Müncheberg das 5. Internationale Bilderbuchfestival

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21. November 2017, 05:00 Uhr

Es gibt Dinge, die sind so abstrakt, dass sie schwer bildlich vorzustellen sind. Die Seele ist so ein Beispiel. Trotzdem hat die Illustratorin Christina Röckl mit Kindergruppen über die Seele gesprochen und das Buch „Und dann platzt der Kopf“ daraus gemacht. Herausgekommen sind bunte, leuchtende Bilder von fantasievollen Ideen. „Wenn man sich an den Hals fasst und hohe Töne macht, dann kann man seine Seele spüren“, heißt auf einer Seite.

Christina Röckl ist eine der Illustratorinnen, die beim fünften Internationalen Bilderbuchfestival „Das Düstere und das Heitere“ zum 25. November in Müncheberg dabei ist. Zu Gast sind unter anderem Kollegen aus Polen, Deutschland, Tschechien, Russland, Litauen, der Ukraine und Deutschland. Mit dabei ist auch Józef Wilkonn, „Großmeister“ des polnischen Bilderbuches, wie Oliver Spatz erklärt.

Zum kleinen Jubiläum waren auch Gäste der Vorjahre eingeladen. Nicht alle konnten kommen. „Der erfreulichste Grund ist, dass sie unglaubliche Karrieren gemacht haben“, sagt Spatz, der mit Sarah Wildeisen, die künstlerische Leitung des Festivals innehat.

In Workshops nehmen die Illustratoren Jugendliche aus der Region mit in die Welt der Bilder. Das kostenlose Kinder- und Erwachsenen-Programm bietet Lesungen, Ausstellungen, Stadtspaziergänge und einen Illustratoren-Slam. Neu ist „Der Comic Kontinent“, eine Residenz für Nachwuchsillustratoren.

Wesentliches Anliegen des Festivals sei, Illustratoren die Möglichkeit zu bieten, sich zu vernetzen. Denn meistens arbeiteten diese ja sehr einsam, sagt Sarah Wildeisen. „Sie haben immer kalte Hände und kalte Füße“, wirft Oliver Spatz ein und lacht.

Wärmend ist das Novemberwetter zwischen polnischer Grenze und Berliner Speckgürtel auch nicht. Dennoch kommen die Künstler gerne dorthin, betonen die Festivalmacher. „Das Wetter ist manchmal garstig, aber es ist eine tolle Gegend“, sagt Spatz. Die polnischen Künstler reisten gerne nach Deutschland. Und vor allem die Westdeutschen seien sehr interessiert an der Region und Ausflügen nach Polen. „Weil das eine Gegend ist, in die sie sonst nie eingeladen werden“, sagt Sarah Wildeisen.

Oliver Spatz spricht gerne darüber, warum das Thema Bilderbuch in diese Region passe. Das liege nicht nur an der Geschichte der Landschaft, in der viele Soldaten fielen. „Es gibt die unglaubliche Chance, sich in dieser Grenzregion näherzukommen und auszutauschen. Eigentlich ist das die Nahtstelle Europas.“

Bilderbücher eigneten sich nicht nur deshalb gut für interkulturellen Austausch, weil viel über das Visuelle und nicht über die Sprache laufe. „Es ist ein Thema, bei dem Polen und Deutsche auf Augenhöhe zusammenkommen“, betont Oliver Spatz.

Auf der künstlerischen wie auch auf vielen anderen Ebenen sei Polen ein Tor nach Osten, so Sarah Wildeisen. Deutschland sei für den künstlerischen Nachwuchs sehr attraktiv. Zwar gebe es in Polen Ausbildungsmöglichkeiten für Illustratoren, in anderen osteuropäischen Ländern aber nicht.

Sarah Wildeisen beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Bilderbuchkunst, besucht die deutschen Buchmessen, aber auch die Kinderbuchmesse im italienischen Bologna, um sich für das Festival inspirieren zu lassen. Als Schirmherrin wurde 2017 Maria Linsmann-Dege gewonnen, Gründerin der Stiftung Illustration und ehemalige Leiterin des Bilderbuchmuseums auf der Burg Wissem in Troisdorf. Von ihr erhoffen sich die Festivalmacher praktische Impulse. Ein Museum solle es nicht unbedingt sein, aber doch eine festere, institutionalisiertere Form. „Ein Projekt muss nach fünf Jahren enden, sonst ist es kein Projekt“, so Spatz. Neu denken müsse man auch, weil die Förderung der Robert Bosch Stiftung 2017 auslaufe, erklärt er. „Ein Ort, an dem an jedem Tag im Jahr Bilderbücher entstehen, wäre so ein Traum.“

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