Potsdamer Abkommen : Die Neuordnung der Welt

Großformatige Bilder vermitteln Eindrücke von den Ereignissen auch im Umfeld der Potsdamer Konferenz.
Großformatige Bilder vermitteln Eindrücke von den Ereignissen auch im Umfeld der Potsdamer Konferenz.

75 Jahre Potsdamer Konferenz - Sonderschau erinnert an die Folgen

von
23. Juni 2020, 05:00 Uhr

Die Britin Joy Milward kam mit 19 Jahren als Sekretärin der Delegation des britischen Premierministers Winston Churchill nach Potsdam und hielt ihre Eindrücke in einem Tagebuch fest. Zum 75. Jahrestag der Potsdamer Konferenz der Siegermächte Sowjetunion, USA und Großbritannien führen ihre Eintragungen, Bilder, Zeitungsausschnitte und ein Film-Interview mit der heute 94-Jährigen die Besucher durch die Ausstellung „Potsdamer Konferenz 1945 - Die Neuordnung der Welt“ - an der historischen Konferenzstätte im Schloss Cecilienhof.

Nach wochenlanger Verzögerung wegen der Corona-Krise ist die Ausstellung von Dienstag an bis zum Jahresende in Cecilienhof zu sehen. Dort hatten die Staatenlenker Josef Stalin, Harry Truman und Winston Churchill (später abgelöst durch Nachfolger Clement Attlee) vom 17. Juli bis 2. August 1945 die Aufteilung Deutschlands, Europas und der Welt beschlossen. Zu sehen sind neben der Dauerausstellung Bilder und Dokumente von Teilnehmern. Auf der Terrasse stehen Nachbildungen der Korbstühle, in denen die „Großen Drei“ für das bekannte Foto posierten.

In den nächsten Wochen werde Joy Hunter als Zeitzeugin im Schloss Cecilienhof erwartet, berichtet der Kurator der Ausstellung, Matthias Simmich. Die 94-Jährige erinnere sich noch lebhaft an das Ereignis, so Simmich. „Sie schildert das Geschehen, als wenn es gestern gewesen wäre.“ Sie habe aber nur im Haus der britischen Delegation in einer Babelsberger Villa gearbeitet, so Simmich. „Sie hat einmal versucht, ins Schloss zu kommen, aber es fehlte ihr die höchste Sicherheitsstufe.“

Die Schau illustriert auch das Schicksal der rund 14 Millionen deutschen Vertriebenen aus den ostpreußischen Gebieten, Schlesien und dem Sudentenland anhand einzelner Familien. So ist die Taschenuhr zu sehen, die der 70-jährige Friedrich Biella auf der Flucht bei sich trug und der Ahnenpass eines anderen Vertriebenen, der das amtliche Dokument aus der Nazi-Zeit für DeutschklandsNeubeginn in neuen Grenzen bei sich trug. So sollen für Besucher Auswirkungen weltpolitischer Entscheidungen für Einzelne erfahrbar werden.

Auch folgende Ereignisse wie der Atombomben-Abwurf auf Hiroshima, die Gründung Israels und der Korea-Krieg werden zum Schluss der Schau mit historischen Ausstellungsstücken und mit Einzelschicksalen thematisiert. Zu sehen ist die Replik der Lunchbox eines zwölfjährigen Schülers, dessen Leiche nach der Atombombenexplosion in Hiroshima nie gefunden wurde, neben einer durch die enorme Hitzeeinwirkung verformten Glasflasche.

Besucher können persönliche Erinnerungen in der Ausstellung teilen. Die Schlösser-Stiftung ruft auf, Fotos persönlicher Erinnerungsstücke an Flucht, Vertreibung und Umsiedlung mit der zugehörigen Geschichte einzusenden. Diese sollen im Schloss in einer Medienstation zugänglich gemacht werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen