Größter Karnvealsumzug in Ostdeutschland : Die närrische Seite von Cottbus

Der Karnevalsumzug „Zug der fröhlichen Leute“ bewegt sich durch die Stadt.
Der Karnevalsumzug „Zug der fröhlichen Leute“ bewegt sich durch die Stadt.

Der riesige Karnevalsumzug bringt den Kontrast zu den Auseinandersetzungen von Deutschen und Ausländern: bunte und fröhliche Bilder

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12. Februar 2018, 05:00 Uhr

Stimmung und Feierlaune: Nach geballten Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Ausländern hat Cottbus gestern eine ganz andere Seite gezeigt. Mehr als 3500 Karnevalisten zogen stundenlang durch die Innenstadt. Zehntausende Besucher säumten die Straßen und jubelten den Gruppen zu. „Es stehen unwahrscheinlich viele Menschen hier“, sagte der Präsident des Karneval Verbands Lausitz 1990, Matthias Schulze, zum Start. Laut Verein kamen wie in den Vorjahren insgesamt rund 80 000 Besucher. Der Umzug gilt als größter in Ostdeutschland.

Zu sehen waren im „Zug der fröhlichen Leute“ viele Tanzgarden aus der Region. Andere Karnevalsgruppen ließen Konfetti aus Kanonen regnen, machten Musik oder umarmten Besucher am Straßenrand. Jede Menge Bonbons und Süßigkeiten wurden geworfen. Einige Karnevalisten waren als Bierflaschen verkleidet, eine Frauen-Gruppe hatte Einhorn-Kostüme übergestreift.

Pferdekutschen fuhren Prinzenpaare durch die Innenstadt, und es gab Dutzende große Wagen. Sie wurden zum Teil für politische Botschaften genutzt: Der noch nicht fertiggestellte Hauptstadtflughafen BER wurde aufs Korn genommen, auch Doping im Sport war ein Thema. Der Karnevalsumzug in Cottbus hat eine lange Tradition. Es war die 27. Ausgabe.

Unter den Karnevalisten waren Guppen aus Sachsen und Berlin. Denn in der Hauptstadt fällt der Rosenmontagsumzug auf dem Ku'damm ins Wasser - wegen Geldmangels. Auch ein Prinzenpaar aus Polen war in Cottbus dabei. Am Sonntag feierten auch andere Städte in Ostdeutschland Karneval, darunter gab es Umzüge in Erfurt und Dessau.

Die Polizei sprach von friedlicher Stimmung. Dennoch gab es einen Zwischenfall mit vier Rechtsextremen. Die Polizei erteilte den Männern zur Gefahrenabwehr Platzverweise. Die 19- bis 33-Jährigen hatten sich in Zweiergruppen mit Esel- und Schafmasken unter die Besucher am Straßenrand gemischt und trugen Plakate. Der Inhalt habe die Grenze politischer Satire überschritten. Die Plakate wurden eingesammelt, so die Polizei. Die Männer kamen nicht aus Cottbus, sondern aus der Region. Die Polizei sprach von Rechtsextremisten.

In diesem Jahr sollte der Karnevalsumzug in Cottbus ganz besonders für gute Stimmung sorgen. Die vergangenen Wochen waren in der Lausitzstadt von Gewalt und Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen geprägt. Demos gegen die Ausländerpolitik der Bundesregierung zogen mehr Teilnehmer an als bisher - jedes Mal sind dort auch Rechtsextreme zu sehen. Die Stadt hatte in der Vergangenheit mehr Flüchtlinge aufgenommen als viele andere Kommunen in Brandenburg.

Die Landesregierung verfügte als Konsequenz, dass bis auf Weiteres keine weiteren Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt in die Stadt kommen sollen. Wegen der Gewalt wurde die Polizeipräsenz in der Innenstadt deutlich aufgestockt. Das soll helfen, die Lage zu befrieden.

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