Die Moral geht flöten

svz.de von
14. September 2015, 18:07 Uhr

Dass die Bauwirtschaft selbst auf bislang einmalige Art zum Kampf gegen Schwarzarbeit bläst, ist Ausdruck dafür, welch eine Bedrohung die vielfältigen Formen illegaler Beschäftigung inzwischen für seriöse Firmen sind. Und die Weißbuch-Initiative zeigt auch, dass die Aktivitäten des Zolls ins Leere laufen, wenn es darum geht, jährliche Schäden von 2,5 Milliarden Euro allein auf dem Bau in Berlin-Brandenburg einzudämmen.

Hört man sich in der Branche um, heißt es, dass kaum 40 Prozent der Berliner Betriebe die Kriterien für eine Aufnahme ins Weißbuch erfüllen. Grund dafür ist bei der Masse der Firmen sicherlich nicht kriminelle Energie, sondern der enorme Druck, den die wirklichen schwarzen Schafe auf das Gewerbe ausüben. Im Bieterwettkampf mit ihnen geht offenbar auch bei vergleichsweise seriösen Unternehmern die Moral flöten, und sie setzen zum Beispiel vermehrt auf billige Hilfsarbeiter, statt auf Fachleute.
Ob das Weißbuch hieran etwas ändert, ist sehr fraglich. Denn die Rechnung ist nicht ohne den Auftraggeber zu machen. Er muss bereit sein, seriöse Arbeit auch seriös zu bezahlen. Ein hehrer Anspruch in Zeiten knapp kalkulierter Bauherren-Budgets.  

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