Fahrgastverband : Die Mark benötigt zwei Zugsysteme

Brandenburg macht mobil: Der Schienenverkehr im Land soll ausgebaut werden.
Brandenburg macht mobil: Der Schienenverkehr im Land soll ausgebaut werden.

Pro Bahn fordert: Verbindungen auf dem Land und im Berliner Umland nicht gegeneinander ausspielen

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08. Juni 2017, 05:00 Uhr

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat positiv auf die Pläne des Verkehrsministerium für den Nahverkehr ab 2022 reagiert. „Die Ministerin hat erkannt, dass wir nicht einfach so weiterwurschteln können“, erklärte Verbandssprecher Hans Leister gestern. „Nun müssen die Ideen öffentlich diskutiert werden, bevor zum Jahresende Aufträge ausgeschrieben werden.“

Nachdem Experten mit Verweis auf stark steigende Passagierzahlen das Fehlen von Ideen der Landesregierung kritisiert hatten, präsentierte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) am Dienstag vor der Landtagsfraktion der Sozialdemokraten erstmals konkrete Verbesserungsvorschläge. Während sie ab 2018 lediglich Taktverdichtungen in geringem Umfang anregt, sieht ihr Plan für die Jahre ab 2022 einige komplett neue Linien vor, zum Beispiel einen Regionalexpress von Wittenberge über Berlin nach Elsterwerda. Deutlich mehr Züge als bisher sollen zwischen Berlin-Spandau und Nauen auf die Schiene. Der Takt des RE 1 zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg soll verdichtet werden.

Für den Verband Pro Bahn geht das in die richtige Richtung. „Wir sollten die heutigen Linien nicht als gegeben hinnehmen“, appelliert Hans Leister. Brandenburg brauche zwei Zugsysteme – schnelle Verbindungen in berlinferne Städte sowie Züge mit vielen Haltepunkten, die Pendler im Berliner Umland einsammeln. Die Landesregierung dürfe diese unterschiedlichen Interessen von Bürgern nicht gegeneinander ausspielen.

In den Augen von Leister habe das, was jetzt diskutiert wird, enorme Bedeutung für die Entwicklung des Landes. „Brandenburg hat viel mehr Zuzug als erwartet. Die Regierung wirkt vom eigenen Erfolg überrascht.“ Defizite sieht er bei Schneiders Plänen für den Norden. „Der Prignitz-Express muss schnell sein, und Velten braucht die S-Bahn-Verlängerung“, so Leister. Kapazitätsengpässe etwa auf der Berliner Stadtbahn oder auf der Trasse des RE 1 dürften kein Hemmnis für die Taktverdichtung sein.

Kritik an Schneiders Vorstoß kommt von der CDU. Zwar würden ihre Pläne „nichts verkehrtes“ enthalten, wie der Landtagsabgeordnete Rainer Genilke sagt. „Aber vieles hat sie einfach bei uns abgeschrieben“, ärgert sich der Verkehrsexperte. Die CDU hatte im März dieses Jahres ihr Konzept für ein „Netz 2030“ vorgestellt. Gefordert wird darin auch die Reaktivierung der Stammbahn zwischen Berlin-Zehlendorf und Potsdam. Die Landesregierung hatte das bislang abgelehnt, nun steht es in Schneiders Fahrplan.

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