Umbenennung der Parteizentrale : Die Linke und ihr alter Kasten

In der Villa in der Potsdamer Alleenstraße befindet sich doe Landesgeschäftsstelle der Linkspartei. Gestern erhielt das Haus den Namen Lothar Bisky, obwohl der verstorbene Politiker kein Fan von dem Gebäude war.  Fotos: Ralf Hirschberger
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In der Villa in der Potsdamer Alleenstraße befindet sich doe Landesgeschäftsstelle der Linkspartei. Gestern erhielt das Haus den Namen Lothar Bisky, obwohl der verstorbene Politiker kein Fan von dem Gebäude war. Fotos: Ralf Hirschberger

Brandenburger Landesverband benennt das Haus mit der wechselhaften Geschichte nach einstigem PDS-Fraktionschef Lothar Bisky.

svz.de von
13. August 2016, 04:45 Uhr

Die Landeszentrale der Linken in Potsdam erhielt gestern den Namen von Lothar Bisky. Der Tagungssaal wird nach dem früheren Vordenker der Partei, Michael Schumann, benannt. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte und war unter den Genossen nicht immer sonderlich beliebt.

Bis zur Wende residierte die DDR-Staatspartei im Bezirk Potsdam herrschaftlich im höchsten Haus der Stadt, im sogenannten Kreml. Als die ehemalige Reichskriegsschule geräumt werden musste, weil der neue Landtag dort 1991 für 22 Jahre sein Domizil aufschlug, wurde der damaligen PDS eine Villa in der Alleestraße angeboten. Für Heinz Vietze, jahrelang die graue Eminenz der Partei, war das Gebäude eine gute Wahl, in der Nähe der SPD-Zentrale gelegen und auf dem Weg der Touristenströme nach Cecilienhof.

Um den roten Backsteinbau ranken sich zahlreiche Legenden. Laut Vietze waren zu DDR-Zeiten dort Übersiedler aus dem Westen in den Osten vorübergehend untergebracht. Belegt ist das nicht. Fest steht dagegen, dass ein Potsdamer Kaufmann 1863 das Grundstück erwarb, 1873 mit dem Bau begonnen wurde und anschließend Kaufleute, Rentiers, Rittmeister und der Wurstwarengroßhändler Emil Müller Eigentümer waren.

Entsprechend oft gab es Umbauten. Die letzten veranlassten die heutigen Besitzer. Aus mehreren kleinen Räumen wurde ein großer Sitzungssaal. Benannt wird er nun nach Michael Schumann (1946-2000), der in den 90ern als Vordenker der PDS galt und ein enger Weggefährte von Lothar Bisky (1941-2013) war.

Auch der letztgenannte Umbau hat aus der Villa kein funktionsfähiges Bürogebäude gemacht. Es geht enge Treppen hoch und runter, Beratungsräume sind Durchgangszimmer und immer findet sich noch ein Winkel, der bis auf den letzten Quadratmeter vollgestellt ist. Legendär ist die Küche im Souterrain, in der eine alte Küchenmaschine und entsprechende Kacheln erhalten geblieben sind. Dort fanden lebhafte Debatten über die Zukunft der Partei statt. Berüchtigt waren nach Berichten ehemaliger Teilnehmer auch die Feten, die die Arbeitsgemeinschaft Junge Genossen einst rund um Diana Golze (heute distinguiert daherkommende Sozialministerin der Linken) veranstaltete.

Unter dem Dach waren die sogenannten Mädchenkammern der Partei – zu Beginn der 1990er Jahre mangelte es noch an Pensionen und Hotels in Potsdam und einige Landtagsabgeordnete logierten deshalb in den Plenarwochen in der Parteizentrale. Später hatte Thomas Nord als Landesvorsitzender dort sein Büro. Lief etwas nicht nach Plan wurde man zu Nord „in den Turm“ bestellt, erinnert sich Sebastian Walter, heute stellvertretender Landesvorsitzender.

Lothar Bisky, über Jahre hinweg prägende Gestalt der brandenburgischen PDS und später Bundesvorsitzender, nach dem das Haus nun benannt wird, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er keinen Gefallen an dem alten Kasten fand. Er hätte lieber moderne Räume in der Innenstadt angemietet, große Fenster, Transparenz, offen für Bürger und ihre Sorgen. Der Landesvorstand entschied in den 90ern anders. Er rief parteiintern zu Spenden auf, damit das Gebäude von den Erben der Besitzer aus den 1930er Jahren gekauft werden konnte. Die Mitglieder im ganzen Land zeigten sich großzügig. Für umgerechnet 750 000 Euro wurde das Haus 1998 gekauft und anschließend umgebaut. Rund 190 000 Euro steckte die Partei im Laufe der Jahre in die Bauarbeiten.

An den winkeligen Büros und den steilen, engen Stiegen hat sich damit nichts geändert. Frühere Mitnutzer wie der Kreisverband Potsdam oder die Bürgerbüros von Landtags- und Bundestagsabgeordneten haben sich längst andere Quartiere gesucht. Mehrere Räume stehen heute leer. Auch der Hof wurde hergerichtet. Die Rückfront ist die schönste Seite der alten Villa. Gestern wurde dort die Namensgebung gefeiert.  

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