Prozess um Doppelmord : Die Kinder spielten gern mit ihm

Zeugen sprechen im Mordprozess über Silvio S.’ Kontakte zu Minderjährigen

svz.de von
22. Juni 2016, 05:00 Uhr

Der geständige Doppelmörder Silvio S. hat offenbar schon vor seinen grausigen Taten den Kontakt zu Kindern gesucht. Eine Zeugin berichtete gestern vor dem Landgericht Potsdam, dass er einst mit ihrer sieben Jahre alten Tochter Händchen gehalten habe. „Mit Kindern sprach er fließend, mit den meisten Erwachsenen nur wenige Worte.“ So beschreibt Manuela B. das Sozialverhalten des Angeklagten. Die 39 Jahre alte Hausfrau war vor etwa zehn Jahren einige Zeit die Nachbarin von Silvio S. in Niedergörsdorf (Teltow-Fläming).

Einen sehr guten Kontakt habe man zueinander gehabt. Er sei oft vorbeigekommen, um sich auszusprechen, manchmal um sich auszuheulen. Außerdem habe er mal im Garten „entspannt“ auf der Hollywoodschaukel gesessen und mit ihrer Tochter, die damals die zweite Klasse besuchte, Händchen gehalten und „rumgeschäkert“. Sie habe sich darüber „keinen Kopf gemacht“ sagt die Zeugin auf kritische Nachfragen des Vorsitzenden Richters.

Dass sich ein erwachsener Mann ihrer Tochter nähert, sei ihr damals nicht komisch vorgekommen. Auch als die von Silvio S. schwärmte und erzählte, dass er sie geküsst habe, war die Mutter nicht beunruhigt. „Ich war davon überzeugt, dass sie sich das ausdenkt.“ Weitere Nachforschungen stellte sie nicht an.

Silvio S. und die Kinder – dazu können am dritten Verhandlungstag im Prozess um den Tod des sechs Jahre alten Elias aus Potsdam und des vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed mehrere Zeugen etwas sagen. „Er konnte gut mit Kindern umgehen“, erinnert sich Sebastian B., ein Ex-Freund der Schwester des Angeklagten. „Auf Dorffesten sind Mädchen und Jungen aus dem Ort zu ihm gegangen, haben mit ihm gespielt, ihn respektiert.“

Aber wenn sich die Erwachsenen unterhielten, habe Silvio S. abseits gestanden, nicht mehr als „hallo“ gesagt. „Schmökel“ sei damals im Dorf der Spitzname von Silvio S. gewesen, erzählt der Zeuge. „Ich fand das unangemessen“, fügt er hinzu. Wie die Leute darauf kamen, weiß er nicht, auch nicht, ob es etwas mit Frank Schmökel zu tun hatte. So heißt ein mehrfacher Mörder und Vergewaltiger aus Brandenburg, dessen grausame Taten vor 15 bis 20 Jahren über längere Zeit Schlagzeilen machten.

Ein weiterer früherer Lebensgefährte der Schwester von Silvio S. liefert als Zeuge schließlich einen vorsichtigen Erklärungsversuch für jene Verbrechen, die dem 33-Jährigen zur Last gelegt werden, der ja eigentlich so ruhig und schüchtern sei. „War es die Angst, das Triezen zu Hause?“, überlegt Knut H. „Ich traue ihm die Taten bis heute nicht zu.“ Der Vater des Angeklagten sei ein Tyrann, sagt der Zeuge. „Von ihm gab es für Silvio keine Liebe, keine netten Worte.“

Immer wieder habe er seinen erwachsenen Sohn, der in seinem Haus lebte, lautstark zurechtgewiesen. Er solle arbeiten gehen, sein Zimmer aufräumen, die leeren Flaschen in seinem Auto wegbringen – das waren einige der Anordnungen des Vaters. „Silvio hat nie gelächelt, wenn er in der Nähe war.“

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