Schausteller rüsten auf : Die Geisterbahn hat ausgedient

Walzerbahn war gestern: Heute heißen die Fahrgeschäfte „Break Dance“ oder „Playball“.
Walzerbahn war gestern: Heute heißen die Fahrgeschäfte „Break Dance“ oder „Playball“.

Brandenburgs Schausteller setzen auf Hightech und auf Nostalgie

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09. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Für Brandenburgs Schausteller sind die Weihnachtsmärkte das letzte Geschäft eines durchwachsenen Jahres. Trotz vieler Probleme – das Gewerbe behauptet sich. „Wir haben wieder neue Mitglieder“, sagt Thomas Müller, Erster Vorsitzender des Brandenburger Schaustellerverbandes „Sanssouci“, zu dem 60 Unternehmen gehören. Alle 20 Jahre, so Müller, kommt aus den Familien der Nachwuchs und meldet neue Gewerbe an. Quereinsteiger gibt es faktisch nicht. Man müsse das schon von Kindheit an kennen, um sich damit zurecht zu finden.

Mit 2017 ist der Eisenhüttenstädter nicht unzufrieden. Das Wetter war im Osten Deutschlands nicht so verregnet wie im Westen, die Volksfeste fielen nicht ins Wasser. Befürchtungen vergangener Jahre, dass Mindestlohn und Umweltzonen in den Städten die Unternehmen in Bedrängnis bringen könnten, bewahrheiteten sich nicht. Die Debatte um Dieselverbote bringt Müller nicht aus der Ruhe. Davon seien noch ganz andere betroffen. „Wir sehen das noch ganz locker“, sagt Müller.

Wie das Weihnachtsgeschäft läuft, lässt sich noch nicht abschätzen. Petra Hadlok hat beobachtet, dass nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr viele Besucher nicht mehr so unbeschwert sind wie zuvor. Die Aufregung um eine Paketbombe in Potsdam vergangene Woche hat sie hautnah miterlebt. Obwohl der Anschlag nicht dem Weihnachtsmarkt galt, sei genau dieser Eindruck haften geblieben.

Weihnachtsmarkt ist nur ein Segment im Familienunternehmen Meyer, das Petra Hadlok und ihr Bruder führen. Sie haben es von ihren Eltern übernommen und den Gegebenheiten angepasst. Vom Autoscooter ging die Entwicklung hin zu großen Fahrgeschäften. Die heißen „Break Dance“, „Magic“ und „Playball“ und sollen vor allem die Jugend ansprechen. „Ein bisschen wie früher die Walzerbahnen“, sagt die Stahnsdorferin – nur viel moderner. Die alte begehbare Geisterbahn steht schon seit Jahren in den Hallen in Stahnsdorf.

Für den Weihnachtsmarkt kommen Imbiss- und Getränkestände wie der „Hungerturm“ und die „Weihnachtspyramide“ dazu. Dort kommt auch ein Kinderkarussell zum Einsatz. Immer nur schneller und höher funktioniere allein nicht, sagt Petra Hadlok. Ein Trend zur Nostalgie auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten ist unverkennbar.

Das ganze Jahr über gilt es, die Geschäftszweige zu koordinieren. Gereist wird zwischen dem Rudolstädter Vogelschießen, dem größten Volksfest Thüringens, und den Stadtfesten in Rostock und Stralsund. 50 Mitarbeiter hat die Firma. Viele Saisonarbeiter kommen aus Rumänien. Die freuen sich schon, die Winterpause bis Anfang März nach Hause zu fahren. Heimische Arbeitskräfte sind kaum zu finden.

Außer Helene Sendler vielleicht. Die steht in der „Feuerzangenbowle“, die zum Stahnsdorfer Unternehmen gehört. Früher war sie auch Schaustellerin. Als ihr Mann starb, gab sie das Gewerbe auf, hilft aber noch gern aus. „Man muss dafür geboren sein“, sagt sie. So ähnlich beschreibt es auch Petra Hadlok. Mit 16 verließ sie das Schulinternat, begann mit ihren Eltern zu reisen. Inzwischen ist sie 65 Jahre alt und noch unterwegs – falls sie sich nicht zuhause um Sondergenehmigungen für die Transporte ihrer Fahrgeschäfte kümmert.


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