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Brandenburg : Die Förster fehlen schon jetzt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Personalverschiebung in Richtung Landkreise angedacht – Gewerkschaft befürchtet Privatisierungen

svz.de von
erstellt am 05.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Im Herbst wird im Landtag entschieden, ob die Oberförstereien und Revierförster künftig auf die Landkreise aufgeteilt werden. Die Gewerkschaft warnt vor dem Verlust der Fachkompetenz und vor den Folgen für den Landeswald.

„Es landet immer mehr Müll im Wald“, hat Wolfgang Roick, SPD-Landtagsabgeordneter und bis zum Wechsel in die Politik vor drei Jahren selbst Förster, festgestellt. Die zentrale Bußgeldstelle des Forstes hat 2016 1650 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten und Verstößen gegen das Waldgesetz bearbeitet. Neben illegalen Müllablagerungen unter anderem auch wegen ungenehmigter Waldumwandlung oder Befahren des Waldes bei Waldbrandwarnstufen.

Die Zahl der Anzeigen ist in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben. Eigentlich müssten es mehr sein, sagt Raimund Engel, Leiter des Bereiches Forstrecht im Landesbetrieb Forst. Aber, schiebt er nach, die Förster sind längst nicht mehr so präsent im Wald wie in den vergangenen Jahren.

Zu Jahresbeginn waren 17 von 208 Revierförstereien wegen Personalmangels nicht mehr besetzt. Derzeit seien 35 Stellen offen, sagt Martin Krüger, Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute Brandenburg. Die vorhandenen Kollegen können das Aufgabenpensum kaum noch stemmen, klagt der Gewerkschafter.

Seit Jahren stellt das Land kaum Förster oder Waldarbeiter ein. Nur diejenigen, die während ihrer Ausbildung als Jugendvertreter in den Betriebsrat gewählt werden und sich einklagen, werden noch übernommen. Bei den Haushaltsverhandlungen im Herbst 2016 wollte die Linke die Einstellung von einem Dutzend Nachwuchskräften im Etat verankern. Als es zum Schwur kam, fehlten Stellen im von den Linken geführten Justizressort, der Forstbereich hatte das Nachsehen.

Aber es komme noch schlimmer, warnt Krüger. Im Zuge der Verwaltungsreform soll der hoheitliche Teil des Forstes mit 360 Stellen den Kreisen übertragen werden. Nur die Bewirtschaftung des Landeswaldes bleibt dem Ministerium unterstellt.

Die Gewerkschaft warnt, dass die Kreise die übertragenen Oberförstereien nicht in der jetzigen Form übernehmen müssen. Sie können das Personal auch der Naturschutzbehörde angliedern. Dann, so Krüger, berät der Förster am grünen Tisch über Anfragen, ohne den betreffenden Wald zu kennen. Auch die Anzeigen wegen Vermüllung dürften zurückgehen, so die Befürchtung. Die 2009 eingeführte zentrale Bußgeldstelle zur effektiven Bearbeitung der Delikte wird zerschlagen, die Aufgabe den Kreisen übertragen.

Was Krüger besonders ärgert: Die freien Stellen in den Forstrevieren sollen vor der Aufgabenübertragung durch Förster aus der Bewirtschaftung des Landeswaldes besetzt werden, statt den Kreisen die Chance zu geben, junges Personal einzustellen. Der Landesbetrieb werde so Weise weiter geschwächt.

Schon heute werden die mehr als 100 000 Hektar in Landesbesitz zum Teil durch Auftragsfirmen bewirtschaftet. „Der Forstbereich blutet aus“, sagt Krüger und vermutet System dahinter. Irgendwann könne der Wald nicht mehr von der öffentlichen Hand bewirtschaftet werden, dann gingen einige Flächen an Naturschutz-Stiftungen, der Rest werde verkauft, lautet sein Horrorszenario.

Dem wird in der Politik vehement widersprochen. Es gebe keine Pläne den Landeswald zu privatisieren, heißt es. Ein förmliches Verkaufsmoratorium, wie es die Linke in den Zeiten gefordert hatte, als sie in der Opposition war, ist jedoch nie beschlossen
worden.  

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