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Brandenburg

13. Dezember 2017 | 08:23 Uhr

Brandenburg : Die Fahrlehrer steuern um

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bund will den Beruf modernisieren – die erste Reform seit fünf Jahrzehnten. Dagegen regt sich Kritik

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Bund eine grundlegende Reform des Fahrlehrerrechts auf den Weg gebracht. Zwar werden der Beruf modernisiert und mehr Kooperationsmöglichkeiten geschaffen. Doch Brandenburger Branchenvertreter sind skeptisch.

Sven Kussatz hat in seinem Berufsleben schon Hunderte Führerscheine an Fahrschüler übergeben. Doch auch für den Inhaber des Eisenhüttenstädter Unternehmens „easy drive“ startet bald eine intensive Lernphase. Die rechtlichen Grundlagen seiner Zunft werden nach knapp fünf Jahrzehnten geändert, was angesichts der mit Elektronik vollgestopften Autos nicht verwundert.

Die Reform sei überfällig, sagt Kussatz. Allerdings wird das neue Gesetz seiner Meinung ein großes Problem der Branche nicht beheben können: den fehlenden Nachwuchs. „Die Bezahlung von Fahrlehrern ist schlecht und sie wird weiter sinken“, glaubt er. Viele Kollegen müssten mit 1100 Euro netto nach Hause gehen – trotz langer Arbeitstage. „Wir verdienen deutlich weniger als Handwerker.“

Zwar zahlt der Fahrschulbetreiber den Mitarbeitern deutlich mehr, kann dadurch aber nicht mit den Preisen der Billigkonkurrenz mithalten. Manche würden nur noch 20 Euro je Fahrstunde kassieren, in Berlin noch weniger, so Kussatz. Mit diesen Einnahmen sei kaum ein Betrieb zu finanzieren.

Nach dem Gesetzentwurf, der nach den Beschlüssen von Bundestag und Bundesrat im Juni in Kraft treten soll, werden die Zugangsvoraussetzungen für den Beruf deutlich gelockert. So fallen die vorgeschriebenen Lkw-Klassen weg – künftig benötigen Fahrlehrer nur noch einen Pkw-Führerschein. Zudem können sich Fahrschulen leichter zusammenschließen und bis zu zehn Zweigstellen eröffnen. Zudem sollen Fahrlehrer mehr pädagogische Kompetenzen erwerben und moderne Assistenzsysteme im Unterricht berücksichtigen. Alles sei nicht erreicht worden, konstatiert der uckermärkische SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke. Doch jetzt stehe zumindest ein Kompromiss.

Marco Dammüller, Chef des Brandenburger Fahrlehrerverbandes, kann dagegen seine Unzufriedenheit nicht verhehlen. „Wir haben im Bundesverkehrsministerium immer wieder interveniert, sonst wäre das Gesetz völlig vermurkst“, meint er. So sollte ursprünglich eine Regelung wegfallen, durch die Fahrstunden auf täglich 495 Minuten begrenzt sind. Die Beschränkung ist aus seiner Sicht zwingend notwendig, damit Fahrlehrer nicht übermüdet ihren Job verrichten. Ein weiterer strittiger Punkt sind die geplanten Gesundheitschecks: Laut dem Entwurf sind diese alle fünf Jahre vorgeschrieben. Dammüller befürchtet, dass manche der rund 1800 im Land registrierten Kollegen ihre Lizenz verlieren, da sie schon im fortgeschrittenen Alter sind. „Unser Schnitt liegt bei 58 Jahren, Tendenz steigend“, erläutert er seine Bedenken.

Die Hoffnung des Bundesverkehrsministeriums, dass mehr Frauen den Beruf erlernen, wischt Aileen Krüger beiseite, die als Fahrlehrerin in Eberswalde arbeitet und dem Verbandsvorstand angehört. „Mein Tag startet um acht Uhr und endet nach einer längeren Pause um 22 Uhr“, berichtet die 31-Jährige.. „Mit eigenen Kindern funktioniert das nur, wenn man große Unterstützung hat.“ Überdies sei es schwierig, neue Kollegen zu finden. „Viele unterschätzen den Beruf, vor allem die Bürokratie“, sagt sie.

Dammüller befürchtet auch, dass die kleinteiligen Strukturen der Branche komplett umgekrempelt werden, wenn künftig Großanbieter entstehen. „Das geht bald in Richtung Aldi-Fahrschule“, meint er. Leidtragende dieser Entwicklung seien Kollegen, die in kleinen Gemeinden ihre Dienste anbieten.

Brandenburgs Verkehrsministerium begrüßt die Gesetzesnovelle. „Die Diskussionen haben sich Jahre hingezogen“, sagt Sprecher Steffen Streu. Kritik an den Gesundheitschecks kann er nicht nachvollziehen. „Die gleichen Regelungen gelten für Taxifahrer“, so Streu. „Wir wollen sichergehen, dass jeder Fahrlehrer fit genug ist.“

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