zur Navigation springen

Oderbruch : Die Elche sind wieder einmal los

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Jäger aus dem Oderbruch wird Zeuge eines seltenen Naturschauspiels – Fotos mit besonderer Aufnahmetechnik

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Immer wieder mal verschlägt es einzelne Elche nach Brandenburg. In dieser Woche konnte sich ein Jäger in Golzow (Märkisch-Oderland) den Besuchern nähern und ihr Verhalten studieren.

Eigentlich wollte Ronald Fehling an diesem Morgen einen Rehbock schießen. Als er am Dienstag gegen 8 Uhr von anderen Jägern hörte, dass zwei, drei Kilometer vor seiner Haustür Elche unterwegs sind, ließ ihn das zunächst nicht von seinem ursprünglichen Plan abrücken. Schließlich war der Rehbock bestellt, da wollte Fehling auch liefern. Als er dann aber die riesigen Tiere auf einigen Hundert Metern Entfernung mit eigenen Augen an einem Sonnenblumenfeld sah, war es um ihn geschehen. Er ließ für dieses Mal den Rehbock sein und bestaunte die Elche.

„Was für majestätische Tiere“, schwärmt er tags darauf im Gespräch. „Wie sie über die Felder schreiten, so ruhig und ausgeglichen. Eine Wahnsinns-Erscheinung.“ Klar, Ronald Fehling wollte nun unbedingt möglichst gute Fotos von den Gästen machen, die aller Wahrscheinlichkeit nach von Polen aus über die Oder geschwommen sind, um sich hier mal umzuschauen.

Mit Glück und Geschick gelangen dem 41-Jährigen spektakuläre Aufnahmen eines Elches, der aus einem Maisfeld kommt. „Ich bin bis auf 15 Meter an sie herangekommen“, erzählt er. Auf allen Vieren krabbelte er dafür möglichst unauffällig über das Feld zur Kanzel in seinem Jagdrevier, und die Tiere taten ihm wenig später den Gefallen, vorbei zu spazieren.

Fehling, von Hause aus Versicherungsmakler, ist kein Profifotograf und will zur Jagd auch keine schwere Kameratechnik mitschleppen. Aber er hat sich schon vor längerer Zeit mit einem besonderen Verfahren vertraut gemacht. Digiskopie heißt es und wird vermehrt auch bei der Vogelbeobachtung genutzt. „Ich fotografiere mit meinem Handy durch das Fernglas“, erklärt Fehling. Es gelte dabei, den richtigen Punkt zu treffen, um am Ende von einem recht weit entfernten Objekt ein scharfes Bild zu erhalten.

Wenige Stunden später stellte Ronald Fehling Fotos und ein paar kurze Videos auf seine Facebook-Seite – und sorgte für einen Sturm der Begeisterung. Hunderte Kommentare gingen ein mit Gratulationen zu den Aufnahmen. Manche mochten es kaum glauben, dass es tatsächlich Elche ins Oderbruch verschlägt. „Dass so viele Leute darauf anspringen, hat mich überrascht“, erzählt er. Es freue ihn sehr, dass Elche bei den Leuten positive Gefühle auslösen.

Bei den Golzower Besuchern handele es sich um zwei junge Bullen, etwa zwei bis drei Jahre alt, ist Fehling überzeugt. „Sie werden bestimmt schon mehr als 500 Kilo wiegen und später einmal bis zu eine Tonne Gewicht auf die Waage bringen.“ 25 bis 30 Kilogramm Blätter stehen bei ihnen pro Tag auf dem Speiseplan.

Die beiden Elche sind von Golzow in nordöstlicher Richtung weitergezogen. Im Laufe des Tages habe es noch eine Sichtung in Zechin gegeben, erzählt Ronald Fehling. „Sie sollen ihren Weg in Ruhe gehen. Ich hoffe nicht, dass ihnen nun Leute in ihren Autos hinterherfahren.“

Überhaupt ist der Straßenverkehr der größte Feind der Tiere. Anja Kaiser vom Naturschutzbund Nabu sagt auf die Frage, was jene Elche, die immer wieder in der Mark zu Besuch sind, denn brauchen, um hier heimisch zu werden: „Eigentlich nicht viel. Aber Straßen mögen sie gar nicht.“ Offene Waldflächen, wie es sie in Brandenburg ausreichend gibt, seien das bevorzugte Umfeld der Elche.

Zuletzt wurden in Brandenburg im Raum Lieberose immer wieder Elche gesichtet, vor etwa einem Jahr auch bei Erkner. Dort, an der A 10, wurde im Jahre 2012 auch ein Elch überfahren. Das Tier starb, der Fahrer erlitt Kopfverletzungen.

Unter anderem wegen der Eigenart der Elche, bei drohenden Kollisionen auf Straßen nicht sofort zu flüchten, gibt es in Brandenburg seit 2015 einen Elch-Management-Plan. Dort ist geregelt, dass bei einer Elch-Sichtung an einer Straße die Polizei und über Verkehrsfunk andere Fahrer über die Gefahrenquelle unterrichtet werden sollen. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen