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Flughafen Berlin : Die einträgliche Dauerbaustelle BER

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Blamieren und verdienen – das sind die Pole, zwischen denen viele Unternehmen auf der Dauerbaustelle für den drittgrößten deutschen Airport seit Jahren pendeln.

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Erst als das Drama um den neuen Hauptstadtflughafen schon Jahre währt, nennt auch Roland Vetter das Kind beim Namen.„Dass wir mit Sanierungen unser Geld verdienen, ist eigentlich nicht unser Plan“, bekennt der frühere Projektleiter des Gebäudetechnik-Ausrüsters Imtech. „Wir haben uns alle sauber blamiert“, klagt der Ingenieur im Berliner Abgeordnetenhaus.

Blamieren und verdienen – das sind die Pole, zwischen denen viele Unternehmen auf der Dauerbaustelle für den drittgrößten deutschen Airport seit Jahren pendeln. Der BER ist kein Ruhmesblatt, aber er bringt auch gutes Geld.

Seit dem ersten Spatenstich sind die Kosten von 2 auf mindestens 6,5 Milliarden Euro gestiegen – größtenteils Geld des Steuerzahlers oder Kredite, die im schlimmsten Fall die öffentliche Hand tilgen muss. Viele verdienen daran, darunter namhafte Konzerne.

Vetter gibt in seinem Bericht an den Untersuchungsausschuss schon vor gut einem Jahr ein Beispiel: Imtech soll eigentlich für 52 Millionen Euro Starkstrom in das Terminal legen. Doch es gibt immer wieder Umplanungen. Die Bauherren ziehen sogar eine zusätzliche Etage in den 700 Meter langen Gebäuderiegel ein, als der Keller schon gegossen ist. Nachträge bringen Imtech weitere 20 Millionen Euro. Je näher die geplante Eröffnung 2012 rückt, desto mehr entgleitet der Flughafengesellschaft die Kontrolle über das Treiben der vielen Firmen. Die Baustelle stürzt ins Chaos. Vom Brandschutz bis zum Datennetz passt bei wichtigen Systemen vieles nicht mehr zueinander.

Die Eröffnung platzt – und Vetters Leute bekommen einen weiteren Auftrag: Kabel neu zu verlegen. Für 45 Millionen Euro. Damit haben sich die Kosten allein für diesen Auftrag mehr als verdoppelt.

Besonders gegenüber den großen Baufirmen sitzt die Flughafengesellschaft an einem denkbar kurzen Hebel, ein leitender Angestellter sprach öffentlich schon von „Erpressungssituationen“.

Dafür gibt es zwei Gründe: Der Auftraggeber kann die Baufirmen nicht einfach vom Hof jagen, wenn er mit ihnen unzufrieden ist. Selbst wenn sich Ersatz fände, bräuchten die neuen Auftragnehmer Ewigkeiten, um sich einzuarbeiten.

Und der Flughafen hat vertraglich wenig Druckmittel. Seit der erste Eröffnungstermin geplatzt ist, das Projekt vom Neubau zur Sanierung wurde, werden die Firmen auf Stundenbasis angefordert – ohne Fristen und damit ohne große Möglichkeiten für Vertragsstrafen.

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