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Hennigsdorf : Die alte Dame von 1938 ist bald wieder da

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

S-Bahn lässt historischen Weihnachtszug in den Hennigsdorfer Fahrzeugwerken aufwändig restaurieren

Die 150 Mitstreiter des Berliner Vereins Historische S-Bahn haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Im Advent 2016 soll wieder eine Weihnachts-S-Bahn durch die Hauptstadt rollen. S-Bahn-Chef Peter Buchner überreichte dafür einen Spendenscheck.

Obwohl sie von einer Art Hebekran unterstützt werden, geraten René Lehniger und Steffen Vokal ein wenig ins Schwitzen. 460 Kilogramm bringt die Kupplung auf die Waage, die sie gerade an die S-Bahn, Baujahr 1938, montieren. Wieder sitzt ein aufgearbeitetes Originalteil an der historischen Bahn. Für Walied Schön, den Vorsitzenden des Vereins Historische S-Bahn, ist jeder dieser Schritte ein Erfolg. Seit 2013 arbeitet der Verein daran, den 1991 außer Dienst gestellten Zug, der seither im Museum stand, wieder auf die Schiene zu bekommen.

An diesem Tag kommt er damit einen finanziell wichtigen Schritt voran. Direkt vor dem ehrwürdigen Waggon steht S-Bahn-Chef Peter Buchner in der Montagehalle der Fahrzeugwerke Miraustraße in Hennigsdorf (Oberhavel). In seinen Händen hält er einen Scheck über 10 500 Euro. Das aus dem Verkauf von T-Shirts und Fahrplanheften eingenommene Geld soll der Sanierung des Weihnachtszugs zugute kommen. „Der Verein hält auf diese Weise S-Bahn-Geschichte lebendig“, freut sich Buchner.

Bis 2008 sorgte die S-Bahn Berlin GmbH selbst dafür, dass in der Weihnachtszeit nicht nur Kinderherzen höher schlugen, wenn der Weihnachtsmann samt Engelschar in diesen ganz besonderen Zug einstieg. Doch mit der S-Bahn-Krise fielen solche Zusatzangebote weg.

„Wir müssen die Fahrzeuge der Serien 480 und 485 in Betrieb halten, das zehrt ein bisschen an den Kräften“, begründet der S-Bahn-Chef diesen Schritt. Nach den „sehr schwierigen Jahren“ habe man nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten, den Zug selbst zu warten.

Genau dafür aber gibt es den S-Bahn-Verein. Und der arbeitet mit Akribie. Das fängt bereits damit an, dass in Archiven nach Konstruktionszeichnungen aus den 1930er-Jahren gesucht werden muss. Der Wiederaufbau des künftig aus acht Wagen bestehenden Zuges ist die eine Seite. Die andere beschreibt Vereinschef Schön so: „Wie hat die Technik funktioniert? Und wie muss sie gewartet werden?“

Einen auf Hochglanz polierten Zug auf die Schiene zu stellen, reicht nicht aus. Die Wagen müssen einer Hauptuntersuchung – ähnlich der fürs Auto beim TÜV – standhalten. Außerdem muss das Problem bewältigt werden, die alte Dame auf die neue Zugsicherungsanlage der S-Bahn umzustellen.

Noch fehlen mindestens 50 000 Euro der auf 400 000 Euro geschätzten Kosten, um die Jungfernfahrt bestehen zu können. Der Weihnachtszug soll künftig zudem wandelbar sein. Sind die Festtage vorbei, verschwindet der Tannenschmuck. Dann kann die Bahn das ganze Jahr über für Sonderfahrten gebucht werden. Für die Weihnachtszeit aber hat sich S-Bahn-Chef Peter Buchner bereits fest angesagt: „Ich kaufe die erste Fahrkarte.“

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