Bischöfe : Dialog mit engen Grenzen

Bischöfe wollen mit Rechtspopulisten im Gespräch bleiben

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26. Juni 2019, 11:00 Uhr

Zwei Monate vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen haben Deutschlands katholische Bischöfe die Wähler zu Wachsamkeit bei populistischen Parolen aufgerufen. „Schaut hin, wo es populistische Parolen gibt“, sagte der Trierer Bischof Stefan Ackermann gestern bei der Vorstellung einer kirchlichen Arbeitshilfe zum Rechtspopulismus. „Klopft Wahlversprechen ab, nehmt eure bürgerliche Pflicht wahr.“ Wo es Ausgrenzungen, Zurücksetzungen und Häme gebe, seien klare Grenzen gesetzt.

„Rechtspopulistische Tendenzen fordern uns heraus, sowohl gesamtgesellschaftlich, als auch innerkirchlich“, sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bei der Vorstellung des 70 Seiten umfassenden Papiers. Es sei bedenklich, wenn sich rechtspopulistische Bewegungen als Verteidiger des christlichen Abendlandes inszenierten, und wesentliche Aspekte des christlichen Menschenbildes ausblendeten.

Doch die Bischöfe plädierten auch dafür, mit den Anhängern der Rechtspopulisten im Gespräch zu bleiben. „Auch für jene, die mit rechtspopulistischen Tendenzen sympathisieren, tragen wir seelsorgerliche Verantwortung“, sagte Heße. Doch gebe es auch Grenzen für den Dialog. „Als Kirche müssen wir allen Positionen und Tendenzen gegenüber widerstehen, die fordern: Das Eigene, die Deutschen oder die Katholiken zuerst“, sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

Aber was heißt das nun praktisch, zum Beispiel für den Umgang der katholischen Kirche mit einer Partei wie der Alternative für Deutschland (AfD)? Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Dortmund hatte die Partei bekanntlich von seinen Podien ausgeladen, worin AfD-Kreise einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz sehen. Ackermann spricht da von einem „Dilemma“. Die Ausladung habe der AfD viel Aufmerksamkeit gegeben. „Die ständige Einengung auf die AfD gibt dem Ganzen Wertschätzung – man sieht doch, wie das Thema die Berichterstattung dominiert hat.“ Einen Königsweg gebe es aber in dieser Frage nicht. Selbst sind die Bischöfe in jedem Fall zurückhaltend. Spitzengespräche wie mit den übrigen Parteien gibt es mit der AfD nicht, sagt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Das gelte auch für die Gruppe „Christen in der AfD“. Allerdings räumte Heße ein, dass es auf der Landesebene einzelne Kontakte zu Abgeordneten der Partei gebe.

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion warnte indes der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt davor, die Probleme zu übersehen, die am Aufkommen des Rechtspopulismus eine Mitschuld trügen.

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