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Dieter Senft : Der verkannte Fahrradkünstler

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fahrräder gibt es bei Dieter Senft massenweise. Mehr als 200 kuriose Exemplare hat er selbst konstruiert.

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Dieter Senft sitzt auf gepackten Koffern. Zelt, Schlafsack, Klappliege und Wasserflasche hat der Konstrukteur kurioser Fahrräder auf ein selbst gebautes Laufrad geschnallt, um sich Anfang April auf die Spuren von Karl Drais zu begeben. „Der hat vor 200 Jahren die damals Holzdraisinen genannten Zweiräder erfunden, gilt als Begründer der Mobilität und des Fahrrads“, sagt der 65 Jahre alte Radfan. „Didi“, wie sie den Tüftler in Storkow (Oder-Spree) nennen, wäre nicht er selbst, hätte sein Laufrad nicht Kurioses aufzuweisen: Die hölzernen Speichen hat er aus einem Bett-Lattenrost gefertigt, der Lenker besteht aus einem Schaufelstil. Mit dem Rad ohne Pedalen übt er jeden zweiten Tag. Aus 30 Kilometern sollen bald 300 werden.

„Aus dem Stegreif geht das nicht, wenn ich damit letztlich 300 Kilometer zurück legen will“, sagt der gelernte Karosseriebauer. In den 70er Jahren entdeckte er sein Faible für besondere Räder - vor einer Herrentagstour mit Freunden. „Um alle auf einem Drahtesel sitzen zu können, baute ich immer mehr Räder und Pedalen zusammen“, erzählt er schmunzelnd. Ein Beweis-Foto zeigt er im eigenen Museum. Das hat sich der auch „Velodesigner“ genannte Tüftler vor 13 Jahren am Rand eines Storkower Gewerbegebiets gebaut.

Er präsentiert unter anderem 17 Eigenbau-Fahrräder, die im Guinness-Buch der Rekorde stehen. Das größte und das kleinste Fahrrad der Welt. Das mit 76 Einzelrädern längste Fahrrad und mehr als 200 weitere kuriose Konstruktionen wie ein Hängematten-Liegerad. Doch Besucher kommen kaum.

Die Faszination der besonderen Drahtesel erschließt sich oft erst, wenn sie in Aktion sind: Mühelos schwingt sich Senft zusammengekrümmt auf ein Mini-Tridem. Behände auf ein Rad, bei dem der Fahrer rückwärts treten muss, um vorwärts zu kommen und nach rechts lenken, um nach links zu fahren. Mit solchen Nummern tourte er schon vor der Wende durch die DDR, hatte sogar Einladungen in den Westen.

Wenn er noch sein Teufelskostüm anzieht, wird Senft zum begehrten Foto-Objekt. Als „Tour-Teufel“ ist der Ostbrandenburger weltberühmt. 1993 tauchte er so erstmals am Wegesrand der „Tour de France“ auf, ein verrückt wirkender Typ mit wilder Wallemähne. Bis heute zählt die „Tour de France“ für den Storkower zum Pflichtprogramm. Die Teufelskappe trägt er auch auf Touren durch Europa - etwa mit einem Rad, dessen Reifen aus Fußbällen bestehen oder mit einem, bei dem er unter einem selbst konstruierten Eiffelturm sitzt.

Obwohl sein Museum gut gefüllt ist, tüftelt der 65-Jährige weiter. Vor seiner Tour baute er zehn verschiedene Laufräder - zusammengeschweißt aus Hufeisen oder Fünf-Pfennig-Stücken aus DDR-Zeiten. Sich im Rentenalter auf die faule Haut zu legen, wäre ohnehin nicht „Didis“ Art. Vergeblich hat er versucht, seine Sammlung an touristisch attraktiveren Standorten zu platzieren.

Storkows Tourismusmanager Andreas Gordalla möchte Senfts Fahrräder gern im Ort behalten - auch wenn er die Erfahrung gemacht hat, dass sie nicht sonderlich publikumsträchtig sind. „Die Deutschen sind keine Fahrradnation wie die Franzosen oder Italiener“, sagt er. „Wir sind aber eine Region mit vielen Radwegen und zumindest Didis 17 Weltrekord-Räder könnten wir entlang unserer Teufelstour platzieren.“ Der Konstrukteur sei durch seine quirlige Art ein großer Sympathieträger, den Storkow als Werbegesicht international mehr nutzen müsse. „Insofern hat er meine vollste Unterstützung. Nur geht das nicht alles von heute auf morgen“, stellt Gordalla klar.

 

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