zur Navigation springen

Hauptmann-Museum in Erkner : Der Traum von mehr Platz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner begeht in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 10:00 Uhr

Vor genau 30 Jahren wurde vor den Toren Berlins in Erkner im Landkreis Oder-Spree das Gerhart-Hauptmann-Museum eröffnet. Über die Umstände der Gründung, die Wirkung und die Zukunftsaussichten des Hauses sprach Joachim Eggers mit Museumsleiter Stefan Rohlfs.

Herr Rohlfs, was ist die Aufgabe und was ist der Anspruch des Gerhart-Hauptmann-Museums?

Die Aufgabe ist die, die ein Museum allgemein hat: Sammeln, Bewahren, Vermitteln und Forschen; das tun wir fleißig. Der Anspruch ist es, diese Aufgaben zu erfüllen und darüber hinaus das Haus zu einer Begegnungsstätte zu machen.

Die ehemalige Fabrikanten-Villa, in deren unterer Etage Gerhart Hauptmann und seine Familie von 1885 bis 1889 wohnten, war vor 1987 schon 30 Jahre lang Hauptmann-Gedenkstätte. Wie kam es zur Gründung des Museums?

Diese Idee kam schon kurz nach Hauptmanns Tod 1946 auf. In der DDR wurde das Projekt immer weiter verschoben. 1987 schließlich konnte die Staatsbibliothek in West-Berlin mit dem zuvor von den Enkeln erworbenen Nachlass zu Hauptmanns 125. Geburtstag eine spektakuläre Ausstellung über den Dichter veranstalten. Da wollte die DDR nicht nachstehen.

Woher kamen die Bestände des 1987 eröffneten Museums?

Ein Großteil, so die Bibliothek, hatte 40 Jahre lang als Hauptmann-Zimmer im Märkischen Museum gestanden. Zum Kaufvertrag, den die Enkel abgeschlossen hatten, gehörte auch vieles davon, sodass nach der Wende in Erkner kurz das Zittern losging. Aber die Staatsbibliothek war auch die Verpflichtung eingegangen, ein Gedenkzimmer einzurichten, was sie nicht konnte. Jetzt sind die Bestände hier eine Dauerleihgabe, eine Lösung, die alle zufriedenstellt.

Damit sind wir wieder in der Gegenwart. Welche Funktion erfüllt das Haus heute?

Die eines Denkmals – die Villa steht unter Denkmalschutz – und die einer Bildungsstätte. Wir ziehen mit unseren etwa 60 Veranstaltungen im Jahr Menschen an, die sonst nicht den Weg in ein Museum finden würden, und haben – relativ konstant – 9000 bis 10 000 Besucher im Jahr. Außerdem sind wir als Info-Punkt die zweite Anlaufstelle für Touristen neben dem Rathaus.

Ihr Schwerpunkt ist längst nicht allein Hauptmann, noch nicht einmal allein Literatur …

Ja, wir machen auch viel, was nichts mit Hauptmann zu tun hat, bis hin zu Konzerten und Kabarett. Mit der Montagsakademie haben wir vor zwei Jahren Vorträge zu breit gefächerten Themen – von der Wohlstandsverteilung bis zur Bedeutung der Reformation für die Weimarer Klassik – den Vortrag als feste Größe eingeführt. Die Akademie hat einen Stamm von etwa 30 eingeschriebenen Mitgliedern.

Wie stellen Sie sich die Zukunft des Gebäudes vor?

Die Stadt, die das Museum zum größten Teil finanziert – nur 70 000 Euro von 300 000 Euro Jahresetat kommen von Land und Kreis – beantragt jetzt Fördermittel, um das Haus barrierefrei zu machen. Mittelfristig wünsche ich mir einen neuen Anbau mit mehr Ausstellungsfläche und einem größeren Veranstaltungsraum. In unseren jetzigen passen maximal 70 Menschen – sobald ein Publikumsmagnet kommt, müssen wir Leute nach Hause schicken. Auch ein Museums-Shop und eine andere Form von Tourismus-Beratung als die jetzige wäre dann denkbar.

Erkner hat sich 2012 den Zusatznamen Gerhart-Hauptmann-Stadt gegeben, seit diesem Jahr steht das auch auf den Ortsschildern. Hat das irgendeine Rückwirkung auf Ihre Arbeit?

Noch nicht. Ich sehe es eher umgekehrt: Dass sich Erkner jetzt Gerhart-Hauptmann-Stadt nennt, ist auch ein Verdienst unserer Arbeit. Zu hoffen ist, dass der Tourismus davon profitiert, aber das ist ein weiter Weg. Im Großen und Ganzen hat sich das Thema in der Bevölkerung noch nicht durchgesetzt. Ein Hauptmann-Denkmal könnte daran etwas ändern.

Wie steht es um den Museumsverbund mit Hiddensee, Radebeul, Szklarska Poreba (Schreiberhau) und Jagniatków (Agnetendorf)?

Das hat im Wesentlichen funktioniert, solange es da eine EU-Förderung mit einer Stelle hier im Haus gab. Das Interesse hat von vielen Seiten sehr nachgelassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen