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Brandenburg

24. November 2017 | 14:09 Uhr

Klaus Ness : Der streitbare Stratege

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Betroffenheit und Bestürzung über den plötzlichen Tod des 53-jährigen SPD-Fraktionschefs im Potsdamer Landtag

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2015 | 00:34 Uhr

Klaus Ness ist tot. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Potsdamer Landtag starb am frühen Freitagmorgen im Alter von nur 53 Jahren in einem Potsdamer Krankenhaus. Er war am Donnerstagabend nach dem Ende der Plenarsitzung des Landtags auf einem Empfang in der Landtagslobby zusammengebrochen. Zwei seiner Kollegen, die Ärzte und Landtagsabgeordneten Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) und Michael Schierack (CDU), reanimierten ihn mehrfach – am Ende waren aber alle Bemühungen der Mediziner erfolglos.

Ness galt als einer der Architekten der Potsdamer rot-roten Koalition und als einer der Vordenker der Brandenburger SPD. 1991 hatte der gebürtige Niedersachse, der mit der ehemaligen Landtagsabgeordneten Martina Gregor-Ness verheiratet war und zuletzt in Senftenberg lebte, eine Stelle beim Landesverband der SPD angetreten. Drei Jahre später wurde er Landesgeschäftsführer, 2006 Generalsekretär der Landes-SPD. In dieser Funktion organisierte er Wahlkämpfe und zog im Hintergrund die Fäden – an Ness vorbei ließ sich in der Brandenburger SPD nur schwer Karriere machen. Doch auch die scharfen Angriffe auf den politischen Gegner gehörten zum Repertoire des SPD-Politikers. Das änderte sich auch nicht, als er 2013 zum Fraktionsvorsitzenden im Landtag wurde. Bissige Reden waren sein Markenzeichen, besonders beim Kampf gegen den Rechtsextremismus, den Ness engagierter und schärfer als viele seiner Parlamentskollegen führte. Die 2014 in das Landesparlament eingezogene „Alternative für Deutschland“ wurde ihm zum braunen Tuch.

Vor allem aber war Ness ein enger Vertrauter der Brandenburger Ministerpräsidenten, insbesondere Matthias Platzecks. „Ich habe einen guten Freund und langjährigen politischen Weggefährten verloren“, erklärte auch ein geschockter Dietmar Woidke (SPD) gestern. „Ich konnte mich immer auf ihn verlassen.“ Der Landesvorsitzende der Linken, Finanzminister Christan Görke, würdige Ness als verlässlichen politischen Partner, als „leidenschaftlichen Verteidiger von Menschlichkeit und Demokratie und als Kämpfer gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt.“

Doch auch die politischen Gegner zollten Ness gestern Respekt. „Klaus Ness hat immer Gesicht gezeigt, auf sein Wort war Verlass“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Ingo Senftleben. „Er war ein streitbarer Stratege und versierter Politiker, der sich um seine zweite Heimat verdient gemacht hat und Brandenburg fehlen wird.“ AfD-Chef Alexander Gauland zeigte sich vom plötzlichen Tod von Ness betroffen – gemeinsam hatten die Politiker jahrelang ein „literarisches Quartett“ in Potsdam bestritten. „Zugegebenermaßen hat uns die Politik in der letzten Zeit getrennt, aber das hat nichts an meiner Wertschätzung ihm gegenüber verändert“, sagte Gauland. „Er wird uns allen im Brandenburgischen Landtag sehr fehlen und auch wenn sich viele seiner Reden gegen mich gerichtet haben, fand ich seine Beiträge immer hörenswert.“

Die Brandenburger SPD indes steht nun vor der Suche nach einem Nachfolger. In Frage kommt dafür nur ein eng begrenzter Kreis – die 30 Mitglieder der Landtagsfraktion, zu denen die bereits anderweitig gebundenen Minister Günther Baaske und Jörg Vogelsänger sowie Ministerpräsident Dietmar Woidke zählen. Und unter den übrigen 27 Abgeordneten haben nur wenige die rhetorischen Qualitäten und die politische Auffassungsgabe, die für diesen Posten qualifizieren. Ralf Holzschuher etwa, der das Amt schon einmal inne hatte, der aber im Unterschied zur Landesregierung und der Fraktionsmehrheit an der Kreisfreiheit von Brandenburg (Havel) festhält. Mike Bischoff, der derzeit Parlamentarischer Geschäftsführer ist. Die Generalsekretärin Klara Geywitz, oder der kommunalpolitische Sprecher Daniel Kurth, der auch schon stellvertretender Landesvorsitzender der SPD ist. Sie alle wären wohl in der Lage, den Posten zu besetzen und auch auszufüllen. Ersetzen allerdings können sie einen Klaus Ness noch lange nicht.

 

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