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Initiativen für Rückkehrer : Der schwere Weg zurück

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Initiativen für Rückkehrer haben große Lücken, in vielen Regionen passiert kaum etwas

svz.de von
erstellt am 14.Sep.2016 | 08:55 Uhr

Im Jahr 2012 hat der Landtag ein Rückkehrer-Konzept beschlossen. Ziel war, junge Menschen für ein Leben in Brandenburg zu begeistern. Nach fünf Jahren fällt die Bilanz gemischt aus. In manchen Regionen passiert viel, in anderen kaum etwas.

Nachdem sich das Land seinerzeit viel Kritik anhören musste, dass es auf den Trend nicht reagiere, entschied sich die Regierung dafür, ein Internetportal zu entwickeln. Es trägt den Namen „Fachkräfteportal Brandenburg“. Auch die Ansprache der Besucher auf der Seite, in erster Linie eine Stellenbörse, erfolgt eher nüchtern. Telefonnummern von Experten, die man um Rat fragen kann, gibt es nicht. In sozialen Online-Netzwerken taucht das Portal nicht auf. Die aktuellste „News“ ist von Ende Juli. Wer Fragen hat, wird auf Initiativen in manchen Landkreisen verwiesen.

In Mecklenburg-Vorpommern läuft das anders. Unter dem Titel „mv4you“ wirbt das Land um Rückkehrer. Für die Interessierten gibt es im Netz Service aus einer Hand, und in den Städten Pendleraktionstage an Bahnhöfen. Rot-Rot in Brandenburg hatte sich gegen diesen Weg entschieden und darauf gehofft, dass sich in den einzelnen Regionen Rückkehrer-Initiativen entwickeln. Geschehen ist dies aber nur punktuell.

In Frankfurt (Oder), Märkisch-Oderland oder Dahme-Spreewald werden Rückkehrer nach wie vor nicht direkt angesprochen. Ein Aushängeschild war und ist der Verein „Zuhause in Brandenburg“, der im Barnim und der Uckermark Portale betreibt. Ähnlich offensiv geht „Comeback Elbe-Elster“ zu Werke. Die Willkommensagentur hat seit 2012 ehrenamtlich über 200 Rückkehrwillige beraten, erst am Montag waren eine Heilpraktikerin, ein Unternehmer aus der Security-Branche und ein Medizin-Student im mit Hilfe von Sponsoren gemieteten Laden der Agentur in Finsterwalde, um sich zu informieren.

„Wir werden regelrecht überrannt“, sagt Stephanie Auras, Gründerin der Initiative. Sorgen macht ihr die ungeklärte Finanzierung des Projekts, das von befristeten Fördermitteln lebt. Wenn nichts passiert, sei am 1. Dezember Schluss.

Steffen Sickert, der in Cottbus bei der Beratung andere Wege geht, plädiert ausdrücklich für „eine zentrale Agentur auf Landesebene“, die Interessenten mit Tipps versorgt. „Derzeit ist leider alles sehr zerstreut.“ Sickert stellt Kontakte zwischen Rückkehrern und Unternehmen her. „Wenn ein Pflegedienstleiter zurück in die Heimat will, suche ich eine Firma“, erzählt er. Mit 1700 Unternehmen stehe er in Kontakt. Für die Rückkehrer ist der Service kostenlos, Sickert wird bei erfolgreicher Vermittlung von den Firmen bezahlt. In Heiligengrabe ist es mit Swiss Krono indes ein Unternehmen, das ein Rückkehrerportal finanziert. Die Holzverarbeitungsfirma sucht selber immer wieder Leute, und will mit dem Engagement der Region helfen.

Kommentar: Leider nur Stückwerk
Die Geburt eines Kindes, der Kita-Start des Sprösslings oder der Schulanfang – zu diesen Zeitpunkten erwägen immer mehr Menschen nach Jahren in Bayern oder Nordrhein-Westfalen nach Brandenburg zurückzukommen. Weil sie nach der Familiengründung die Heimatliebe wieder spüren oder weil sie wollen, dass ihre Kinder nahe den Großeltern aufwachsen.Laut einer Studie soll jeder Zehnte, der einst den Osten verließ, Lust auf eine Rückkehr verspüren. In Brandenburg gibt es den erklärten Willen, diesen Menschen den Roten Teppich auszurollen. Aber das hiesige Rückkehrer-Konzept ist nur Stückwerk. Fragt man im Arbeitsministerium nach, wie nach fünf Jahren die Bilanz ausfällt, wird auf die Zukunftsagentur Brandenburg verwiesen, und dort gibt es nicht mehr Information als den Verweis auf steigende Zugriffszahlen auf das Fachkräfteportal des Landes. Das Thema wird als Chance erhalten bleiben. Auch künftig gehen Leute zum Studium weg und kommen hoffentlich wieder. Es ist Zeit, dass Brandenburg nichts mehr dem Zufall überlässt, sondern analysiert, was die Rückkehrer an Hilfe brauchen, um diese im ganzen Land anzubieten.
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