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Bestattungen in Mausoleen : Der Sarg im fremden Grab

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Durch eine geplante Gesetzesnovelle sollen in Brandenburg bald Bestattungen in historischen Mausoleen möglich sein.

svz.de von
erstellt am 10.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Durch eine Gesetzesänderung sollen künftig auch Bestattungen in Mausoleen möglich sein. Friedhofsverwalter hoffen, dass sie dadurch mehr Paten für die historischen Bauten gewinnen. Diese verknüpfen ihr Engagement oft mit dem Wunsch, dort ihre letzte Ruhe zu finden.

Albert Harteneck war ein großer Liebhaber der ägyptischen Bauwerke. Das demonstrierte der Kunsthändler in dem nach seinem Tod im Jahr 1913 errichteten Mausoleum. Mit einem wuchtigen Säulenportal, dem Sarkophag und der Büste von Tuthmosis III. zählt die Begräbnisstätte zu den bedeutendsten auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark).

Doch sie verfällt seit Jahrzehnten. Eine sechsstellige Summe müsste in die Sanierung investiert werden, schätzt Friedhofverwalter Olaf Ihlefeld. Doch nach einem privaten Geldgeber sucht er bislang vergeblich. Und Nachfahren der einst mit großem Vermögen ausgestatteten Familie, zu der auch der Chemiefabrikant Carl Harteneck zählte, konnten von Ihlefeld nicht ermittelt werden. „Alle Recherchen blieben ohne Erfolg.“

Eine Sanierung des Mausoleums kann die evangelische Landeskirche, Betreiber des 200 Hektar großen Friedhofs, nicht bezahlen. Auch für den Erhalt der anderen 24 denkmalgeschützten Grabbauten fehlt Geld. Ihlefeld setzt daher auf Patenschaften. Drei dieser Kooperationen wurden bislang unterzeichnet. Es könnten mehr sein, an Interessenten mangelt es nicht. „Doch ein Engagement machen viele davon abhängig, ob sie auch in dem Mausoleum bestattet werden können.“

Genügend Platz gibt es in den Gruften. So wurden die sterblichen Überreste der Hartenecks bereits zu DDR-Zeiten umgebettet, da ein Einsturz des schon damals maroden Gebäudes drohte. Aber auch für andere Mausoleen, etwa jene der Industriellen Caspary und Boedefeld, kann sich der Verwalter eine „Fremdbelegung“ vorstellen. Ausgeschlossen ist dies für Ehrengräber von Prominenten: Um die letzten Ruhestätten etwa des Zeichners Heinrich Zille, des Architekten Walter Gropius oder des Komponisten Engelbert Humperdinck kümmert sich das Land Berlin.

In Brandenburg will die rot-rote Koalition die Barriere im Bestattungsgesetz beiseite räumen. So hat der Landtag die Landesregierung aufgefordert, bis zum Sommer neue Regelungen vorzulegen. Der Vorsitzende des Innenausschusses, Sören Kosanke (SPD), erwartet, dass die Novelle noch 2017 in Kraft treten kann. „Es spricht rechtlich nichts gegen oberirdische Bestattungen, wenn Hygienevorschriften berücksichtigt werden“, sagt er. „Das wurde in Mausoleen über Jahrhunderte so praktiziert.“ In Brandenburg ist bislang vorgeschrieben, dass ein Leichnam in der Erde dem natürlichen Verwesungsprozess überlassen oder eingeäschert wird. Auch Zinksärge sind im Bestattungsgesetz ausgeschlossen.

Der Landtagsabgeordnete aus Teltow hat nach Bürgeranfragen die Gesetzesinitiative ins Rollen gebracht. „Es gibt zwar eine Zunahme von anonymen Beisetzungen, allerdings lässt sich auch ein gegensätzlicher Trend beobachten: Manche wollen gerne ein Bauwerk zu ihrer Erinnerung“, berichtet Kosanke. Hier müsse man die politischen Rahmenbedingungen schaffen. Im neuen Gesetz soll auch klargestellt werden, dass eine Erdbestattung ohne Särge möglich sein soll, was immer wieder zu Unsicherheiten auf kommunaler Ebene führt. Bestattungen in Leichentüchern haben manche Kommunen und Kirchengemeinden jedoch bereits zugelassen.

Probleme mit dem Erhalt historischer Gräber gibt es auch in Finsterwalde. Sieben denkmalgeschützte Mausoleen, in denen zumeist Fabrikbesitzer und ihre Familien bestattet wurden, wurden auf dem Friedhof errichtet. „Sie stehen gänzlich leer, zählen aber zu bedeutenden Kulturgütern der Stadt“, sagt Friedhofsverwalter Sören Guthknecht. Vandalismus und Diebstähle beschleunigen den Verfall. So wurden sogar massive Sandstein-Löwen vom Grab eines Tuchfabrikanten entwendet. Daher hofft auch Guthknecht auf private Förderer. „Eine Änderung des Gesetzes würden wir begrüßen.“

Auch in Eberswalde und Umgebung existieren mehrere Mausoleen, ebenso in Cottbus und Brandenburg an der Havel. „Der Bau entsprach dem Repräsentationsbedürfnis“, sagt Sybille Gramlich, Mitarbeiterin des Landesdenkmalamtes. „So kamen in Finsterwalde im 19. Jahrhundert viele Unternehmer mit der Produktion von Textilien zu Reichtum.“

Knapp 90 Mausoleen sind in der brandenburgischen Denkmalliste aufgeführt, allerdings sei diese Aufzählung nicht vollständig, betont Gramlich. Vielfach seien Grüfte und Grabkammern auch in der Nähe von Gutshäusern errichtet worden. „Wir sind für jede Initiative dankbar, die sich um den Erhalt kümmert.“ Durch die Bestattung von Paten in den von ihnen betreuten Gräbern könnten zwei Interessen miteinander verknüpft werden. 

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