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Brandenburg

18. Oktober 2017 | 22:31 Uhr

Angeln : Der König des Wassers

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Angelexperte Stephan Höferer aus Neubrück hat an zahlreichen Orten Deutschlands einen Film über den Wels gedreht

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Stephan Höferer hat sich einen Traum erfüllt: Der Fisch-Experte aus Neubrück (Oder-Spree) hat einen Film über Deutschlands größte Fischart – den Wels – gemacht. Filme über Fische hat Stephan Höferer schon etliche gedreht, aber es ist der erste über den Wels. Den „Waller“, wie man in Süddeutschland sagt. „Hier bei uns nennt man ihn oft liebevoll Walli“, weiß Höferer. Weil Waller gefälliger klingt als Wels, hat er seinen Film „Deutschland angelt Waller“ genannt. Zwei Jahre arbeitete er daran, über 3000 Filmminuten hat er gespeichert.

Daraus geworden ist mit Unterstützung von Thomas Reinke aus Brieskow-Finkenheerd eine DVD, mit der man sich eine Stunde und 41 Minuten über den größten hierzulande vorkommenden Fisch informieren kann. Wels-Angler aus ganz Deutschland kommen zu Wort, verschiedene Fang-Methoden und Gewässer werden gezeigt. Im Detail bleiben letztere jedoch geheim. „Das musste ich den Anglern versprechen“, erklärt Höferer. Nur am Dialekt erkennt der Zuschauer die jeweilige Region.

Höferer sieht sich als ersten Ostdeutschen, der den Waller öffentlich bekannt gemacht hat. Im Westen sei es Karl-Heinz Hörr gewesen, beide haben sich auch einmal kennengelernt. „Wir sind die Urgesteine der deutschen Wels-Szene“, ist sich Höferer sicher. Nun noch sein erster Wels-Film, die Erfüllung seines Traumes.

Ein Artikel in einer Zeitung war es, der Höferer zum Wels-Experten gemacht hat. Zwölf Jahre war er, als er ihn im Zug las und dabei das Aussteigen vergaß. Auch an den Titel kann er sich nach all den Jahren noch erinnern: „Die Sensation von Zernin“. Ein gewisser Karl Teitel hatte damals einen 33 Kilo schweren Wels in der Warnow gefangen. „Ich war wahnsinnig fasziniert und glaube, dass der Artikel meine anglerische Laufbahn beeinflusst hat“, denkt der 57-Jährige, der auch für einschlägige Zeitschriften schreibt.

Der Wels ist für Stephan Höferer der „König des Wassers“, so wie für ihn der Rothirsch der „König des Waldes“ und der Seeadler der „König der Lüfte“ ist. Dabei interessiert es ihn weniger, den Fisch zu angeln und neben dem stattlichen Fang zu posieren. „Welse gibt es heute wegen des sich erwärmenden Wassers und der damit besseren Laichbedingungen reichlich“, weiß Höferer. Es sei keine Kunst, sie zu fangen.

Vielmehr interessiere ihn ihr Leben in der Natur. In seinem Film sieht man deshalb auch keinen einzigen toten Wels, dafür erlebt man, wie sie sich im Wasser bewegen, und erfährt viel über ihre Lebensweise. Unter anderem, dass sie bis 1,60 Meter Länge noch in Gruppen, ab zwei Metern aber auch allein leben können.

„Ein unglaublich interessantes Welsland“ ist für Stephan Höferer Brandenburg, „weil es so viel Wasser hat“. Angst müsse man vor dem massigen Raubfisch nicht haben, sollte er einen beim Schwimmen im See streifen. „Er haut ab, wie alle anderen Fische auch.“ Und dass er zubeißen könnte, sei unwahrscheinlich. „Er hat Bürstenzähne, so wie kleine Nadeln.“ Höferer genießt es, den erlegten Raubfisch mit der ungeschützten Hand und dem „Wallergriff“ am Unterkiefer aus dem Wasser zu ziehen. „Das hat was, sich mit einem urigen Räuber anzulegen.“ Die Verletzungen, die er sich dabei zuzieht, sind harmlos: „So, als hätte man sich an einer Raspel etwas Haut abgeschürft.“

Seinen letzten Fang hat er im April gemacht: Drei Waller in einer Nacht. Dass der Wels in Brandenburg keine Schonzeit hat und keine Mindestmaße den Angler disziplinieren, ärgert Höferer. „Es ist Quatsch, wenn gesagt wird, er bedrohe die Fischbestände.“ Erstens sei er Kannibale und fresse auch seine eigene Art, zweitens ernähre er sich von Fischarten, die eh keiner möchte. Höferer setzt auf das sogenannte „Küchenfenster“: Die kleinen und die großen Fische lässt man leben. Die kleinen, weil sie noch wachsen müssen, die großen, weil sie für den Nachwuchs sorgen. Dafür will Höferer auch bei der Wels-Messe in Frankfurt am Main Ende November plädieren. Dort wird er einen Vortrag halten und seine DVD vorstellen.

Ab heute stellt Stephan Höferer den Trailer seines Wels-Films ins Netz, ab Dezember gibt es die DVD – zu beziehen über seine Homepage www.nature-vision.com.

 

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