Erbe von Air Berlin : Der Himmel auf Erden

Raritäten: Marius Langas steht zwischen den Schriftzügen der Fluggesellschaften Airlines Air Berlin und Germania.
Raritäten: Marius Langas steht zwischen den Schriftzügen der Fluggesellschaften Airlines Air Berlin und Germania.

Ein Platz für Erinnerungsstücke von Air Berlin und Germania gesucht

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24. August 2019, 05:00 Uhr

Das Steckenpferd von Marius Langas ist nicht zu übersehen. Es sind rote und grüne Buchstaben, die auf verdorrtem Rasen und wenig abgenutztem Gehwegpflaster auf dem Gelände des Flughafens Schönefeld (Dahme-Spreewald) liegen und letzte Überreste der wirtschaftlich abgestürzten Fluggesellschaften Air Berlin und Germania sind. Würden sie aufrecht stehen, wären sie bis zu drei Meter hoch, die Logos beider Airlines bringen es sogar auf einen Durchmesser von bis zu fünf Metern, sodass sie bis vor Kurzem noch aus mehreren Kilometern Entfernung sichtbar waren. Bis Anfang August prangten sie an einem Hangar. Jetzt gehören sie dem 30-jährgen Marius Langas, der mit seiner Familie in Zeuthen (Dahme-Spreewald) wohnt  und jeden Tag mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit bei der Deutschen Flugsicherung an den überdimensionalen Schriftzügen vorbeifuhr. Bezahlt hat er eine vierstellige Summe.

„Ich hab mich immer gefragt, was mit ihnen passiert“, sagt Langas. Denn die Fluggesellschaften selbst waren lange Geschichte. Air Berlin hatte im August 2017 Insolvenz anmelden müssen, Germania im Februar. Die Folge der Pleite beider Hauptstadt-Airlines waren eine Menge Flugzeuge, die von Mitbewerbern übernommen worden sind, und über 9000 Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz verloren.

Ihnen will Marius Langas jetzt mit den Schriftzügen ein Denkmal setzen. „Ich dachte mir, das ist so riesig, das muss man irgendwo installieren“, erzählt der Fürstenwalder, dessen Herz schon immer irgendwie an der Fliegerei hing. Bereits in seiner Jugend hat er sich auf dem einst gut ausgelasteten Flugplatz in Fürstenwalde die Zeit vertrieben. Mit der Germania sei er 1999 überhaupt das erste Mal geflogen, und er kennt auch durch seinen Job viele ehemalige Mitarbeiter beider Airlines.

Als Langas seine Idee in sozialen Netzwerken postet, hagelt es fast ausnahmslos positive Kommentare. „Als ehemalige Airberlin- und auch Germania-Mitarbeiterin bin ich schwer begeistert“, schreibt „Muddi onBord“ und spornt Langas nur noch mehr an. 8000 Euro braucht er, ein Grundstück braucht er – und wohlgesonnene Unterstützer. Über die Crowfunding-Plattform „GoFundMe“ will er das Geld zusammenbekommen und ist nach wenigen Tagen, schon bei knapp 3000 Euro. Die Zeit drängt, spätestens in 14 Tagen müssen die schwergewichtigen Buchstaben abtransportiert sein. Langas schwebt ein Grundstück im Umfeld des Flughafens vor.

„Es gibt viele Dörfer dicht am Airport mit Wiesen, die nicht bewirtschaftet werden können“, sagt Langas. Dort könne man die Relikte der beiden Berliner Fluggesellschaften ablegen oder anschrägen, damit die Schriftzüge Air Berlin und Germania von den Passagieren jedes landenden und startenden Flugzeugs wahrgenommen werden können. „Wenn man die Buchstaben hinstellen wollte, wird es schwieriger, dann bräuchte man eine Baugenehmigung“, weiß der Luftfahrtbegeisterte.

Er hat genaue Vorstellungen, wie er sein geplantes Denkmal zu einer Kultstätte entwickeln kann: Die Schriftzüge würden eingezäunt, auf Tafeln stehen die Namen der Unterstützer und natürlich die Geschichte beider Airlines, die sich durch ihren „Spirit“ unter den Mitarbeitern ausgezeichnet hätten. Bis 2020 will der Langas das Projekt umsetzen, lässt aber offen, ob vor oder nach der für Ende nächsten Jahres geplanten Eröffnung des BER.

Findet sich auf die Schnelle kein Grundstück, werden die Raritäten im Garten des 30-Jährigen zwischengelagert. „Dann sind sie halt durch die aus Richtung Osten kommenden Flugzeuge zu sehen“, freut sich Langas. Ärger mit der Familie fürchtet er nicht. Die ist daran gewöhnt. Das Wohnzimmer ziert schon seit Jahren ein ausrangierter Trolly, ein Cateringwagen mit Air Berlin-Logo.

Spenden:www.gofundme.com/air-berlin-germania-4ever

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