Der Hausherr trägt Holzpantinen

Einen Jugendtraum hat sich Handwerker Rogozinski mit dem Ausbau des Geländes erfüllt.
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Einen Jugendtraum hat sich Handwerker Rogozinski mit dem Ausbau des Geländes erfüllt.

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30. Oktober 2010, 01:57 Uhr

Gollmitz | Es gibt Häuser, die sind außergewöhnlich - wegen ihrer Bauweise, ihrer Nutzung oder ihrer Bewohner. Für die Reihe "Anders Wohnen in Brandenburg" besuchen wir Menschen in der Mark in ihren vier Wänden.

Hobbymüller Kai Rogozinski begrüßt seine Gäste im uckermärkischen aus Gollmitz in einem weißen Arbeitsanzug und Holzpantinen. Dann setzt er die von seiner Großmutter genähte Mütze auf und legt den Zipfel über sein Ohr. Gekonnt schwingt er einen Mehlsack über die Schulter, wirbelt dabei viel Staub auf. "Der Zipfel verhindert, dass der Staub ins Ohr gelangt", erklärt der 46-Jährige. Nach dieser kleinen Vorführung zeigt Rogozinski, wie das Mehl in den Sack kommt. Er setzt das Mahlwerk in Gang und im alten Gebälk rattert und dröhnt es eindrucksvoll.

Der Heizungsinstallateur, der aus Berlin kommt, hat sich vor zehn Jahren einen Jugendtraum erfüllt und die Wassermühle von 1724 gekauft. Mit Hilfe von Freunden, Handwerkern und Dorfbewohnern hat er das marode Mühlenensemble in achtjähriger Arbeit wieder hergerichtet. Heute kann er in dem alten Fachwerkgebäude nicht nur mahlen, sondern in Ferienwohnungen auch Gäste beherbergen und im Gastraum Feste sowie Konzerte veranstalten.

Zum Wiederaufbau und Erhalt der Mühle, die bis 1990 von der LPG "Hammer und Sichel" für die Produktion von Tierfutter genutzt wurde, hat Rogozinski einen Förderverein gegründet. Unterstützt wurde er von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg und dem Arbeitsamt. Fördermittel gaben das Denkmalschutzamt und die EU.

Die Technik hat der Mühlenfan in ganz Deutschland zusammengekauft und von Experten installieren lassen. "Dabei habe ich mir die Funktionsweise gleich angeeignet", erzählt er. Den Besuchern zeigt er bei Führungen den Trichter für das Getreide, Walzstuhl und Sichter, die es mahlen und in die Bestandteile trennen, den Elevator, den er "Mehlfahrstuhl" nennt sowie den Abfüller für das fertige Mehl. Wer alte Mühlentechnik verstehen lernen will, hat es in Deutschland schwer. Nach Angaben von Torsten Rüdinger, Vorstand der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg, werden Müller nur im niedersächsischen Wittingen und in Stuttgart ausgebildet - zumeist an moderner Technik vor. Wer Hobbymüller werden wolle, könne sich etwa beim Britzer Müller Verein in Berlin ausbilden lassen.

In Gollmitz spielen alte und neue Technik zusammen: Herzstück ist das Wasserrad am Flüsschen namens Strom mit einem Durchmesser von sechs Metern. Es treibt einen Generator an, der Strom produziert. Da Rogozinski längst nicht die gesamte Energie benötigt, speist er sie ins öffentliche Netz. Das eigentliche Hauptprodukt Mehl entsteht eher selten, etwa bei Führungen. Ab und an lässt der Müller es für seine Gäste in einer Prenzlauer Biobäckerei zu Teig verarbeiten, aus dem er anschließend Brote in seinem Holzofen backt.

Aus Sicht von Veriensvorstand Rüdinger hat Rogozinski Großartiges für die Region vollbracht: "Er hat immerhin einen Mühlenstandort zu neuem Leben erweckt." Allein in Brandenburg gebe es noch rund 1000 Standorte, darunter sowohl gewerbliche als auch Mühlenrelikte. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten rund 5000 Mühlen im Land, darunter rund 1000 Wasser-Getreidemühlen und mehr als doppelt so viele Bockwindmühlen.

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