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Schutz vor dem Wolf : Den Räuber mit Strom abschrecken

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburgs Wolfsbeauftragte setzen zum Schutz der Weidetiere vor allem auf bessere Zäune

Seit wenigen Tagen hat Brandenburg zwei Wolfsbeauftragte. Ihre Hauptaufgabe ist die Beratung von Tierhaltern. Sie wissen, wo der Hebel anzusetzen ist. „Zäune sollten so eingerichtet sein, dass der Wolf gar nicht erst lernt, sie zu überwinden. Strom ist dabei das Allerbeste“, sagt Giulia Kriegel, seit dem 1. Juni eine der Wolfsbeauftragten des Landes. Die sogenannten Beutegreifer würden an einer Weide meist mit ihrem Kopf testen, was sie vor sich haben. „Wenn sie von dem Elektrozaun eins auf die Nase bekommen, schreckt sie das ab“, erklärt die 36-Jährige.

Lösungen dieser Art wird sie vorschlagen, wenn die Expertin über das Land fährt, um Bauern zu beraten und bei der Beantragung von Mitteln für den Herdenschutz zu unterstützen. Wie ihre Kollegin Valeska de Pellegrini hat sie genaue Vorstellungen davon, wie ein Zaun aufgebaut sein sollte, der das Risiko von Schäden minimiert. „Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, und jeder Wolf ist anders“, räumt Giulia Kriegel ein. „Aber es gibt Dinge, die sich bewährt haben.“

Die gebürtige Münchnerin hat eine Ausbildung als Zootierpflegerin gemacht und Wald- und Forstwirtschaft studiert. In der Schweiz sammelte sie Erfahrungen im Wildtiermanagement und beriet in Bayern zwei Jahre lang Nutztierhalter im Umgang mit dem Wolf. „Ich kenne die Sorgen der Landwirte, und ich kann sie sehr gut nachvollziehen“, sagt Giulia Kriegel.

Konfrontiert man sie mit dem Argument mancher Bauern, wonach der Wolf nicht wieder ausgerottet, aber mit Waffen zurückgedrängt werden sollte, verweist sie auf die Gesetzeslage, die dies nicht zulasse. Mit ihrer Kollegin stimmt sie darin überein, dass der Nutzen eventueller Abschüsse fraglich sei. „Einen Wolf aus einer Gruppe herauszuschießen, verändert die Struktur dieser Gemeinschaft. Das kann dann zu höheren Schäden führen“, gibt Valeska de Pellegrini zu bedenken.

Die 39-Jährige stammt ebenfalls aus München, studierte an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde fühlt sich längst als Brandenburgerin. Sie lebt in der Nähe von Neustadt (Dosse) in Ostprignitz-Ruppin und war Wölfen dienstlich in Rumänien, Portugal und Sachsen-Anhalt auf der Spur. Ihr Credo: „Guter Herdenschutz lohnt sich.“

Dafür wolle sie im Rahmen ihres zunächst auf zwei Jahre befristeten Jobs als Wolfsbeauftragte werben. „Es geht um Aufklärung und Unterstützung der Landnutzer. Wir dürfen dabei niemand allein lassen.“ Es sind Kleinigkeiten, auf die beide Expertinnen verweisen, wenn sie einen Zaun beschreiben, der Wölfe abschreckt, nicht zu teuer ist und das Landschaftsbild nicht zu sehr beeinflusst. Eine berechtigte Sorge von Bauern sei etwa, dass am Zaun wachsendes Grün den Strom ableite, also dafür sorge, dass der Zaun nicht mehr „scharf“ ist, erklärt Valeska de Pellegrini. „Es ist verständlich, dass die Landwirte nicht aller zwei Wochen dort Gras mähen wollen.“

Nun gebe es Ansätze, den Untergrund mit Mulch oder Lkw-Plane auszulegen, um das Gras klein und die Spannung im Zaun hoch zu halten. „Diese Ideen wollen wir weiterentwickeln, am besten in Zusammenarbeit mit Universitäten.“ Giulia Kriegel ergänzt, dass man auch über die Zaunhöhe sprechen müsse. Zum Schutz von Schafen sei ein 90 Zentimeter hohes Flexinetz Standard. „Es könnten 15 Zentimeter mehr sein. Und 30 Zentimeter darüber ein eventuell ebenfalls stromführendes Band“, deutet die Expertin die Möglichkeiten an. Auch zusätzliche Flatterbänder hätten sich bewährt. „Was sich im Wind bewegt, wirkt für den Wolf zunächst unberechenbar“, sagt Giulia Kriegel.

Zum Schutz von Kälbern regt sie an, die standardmäßig mit drei Litzen, also stromführenden Bändern ausgestatteten Zäune auf vier bis fünf Litzen aufzustocken. „Und alle Seiten der Koppel müssen zu sein. Ein Fluss zum Beispiel ist kein Hinderniss für den Wolf.“

Und wenn das nichts nutzt, die Zahl der Wölfe und getöteten Nutztiere weiter steigt? „Man kann nicht ewig aufrüsten, das ist auch klar“, sagt Giulia Kriegel. Also wird doch irgendwann auf Wölfe geschossen? Die Beauftragte verweist darauf, dass die Landesregierung an einer Verordnung arbeite, die die Entnahme von Wölfen mit für Menschen problematischem Verhalten als ultima ratio vorsehe. „Brandenburg übernimmt damit eine Vorreiterrolle.“  

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erstellt am 16.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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