Verbrecherjagd gestern und heute : Den Mördern auf der Spur

Neue Ermittlungsmethoden wie DNA-Abgleiche haben Einzug gehalten.
Neue Ermittlungsmethoden wie DNA-Abgleiche haben Einzug gehalten.

Vor 25 Jahren wurde das Landeskriminalamt gegründet / Seitdem gibt es immer neue Verbrechensphänomene

svz.de von
22. September 2017, 05:00 Uhr

Mord, Drogenschmuggel und bandenmäßiger Diebstahl – seit 25 Jahren klärt das Landeskriminalamt (LKA) schwere Verbrechen auf. Mancher Fall begleitet die Experten über Jahrzehnte.

Es war der 25. Juni 1992. Wenige Monate nach der Gründung hatte das LKA den bis dahin spektakulärsten Banküberfall Ostdeutschlands fast vor der eigenen Haustür. Vom damaligen Sitz in Basdorf (Barnim) nur ein paar Minuten entfernt, erschossen drei Gangster am Hintereingang einer Bernauer Sparkassenfiliale einen Wachmann und flohen mit 3,5 Millionen D-Mark. Ein Polizeihubschrauber nahm die Verfolgung auf, verlor sie aber aus den Augen.

Es dauerte 14 Jahre, bis zumindest ein Täter gefasst werden konnte. Eine 1992 vom LKA im Fluchtauto gesicherte DNA-Spur überführte ihn. „Die beiden anderen suchen wir immer noch. Das wurmt uns“, gesteht Silke Wilberg, damals wie heute Kriminalistin beim LKA.

Fragt man die jetzige Leiterin des Führungsdienstes beim LKA nach den Fällen, die sie in 25 Jahren am meisten beschäftigt haben, nennt sie zuerst den brutalen Banküberfall am Steintor in Bernau. Auch zur Entführung und Ermordung der zwölf Jahre alten Ulrike aus Eberswalde 2001 gehen ihre Gedanken immer wieder zurück. „Es war ein undeutlicher Fingerabdruck auf einer Flasche, der uns schließlich zum Mörder führte“, erinnert sich die 52-Jährige.

Die Spurensicherung sei das A und O bei der Aufklärung von Verbrechen. Um die Jahrtausendwende habe der Einzug der DNA-Analysen in den Polizei-Alltag viel zum Positiven verändert. Noch heute könnten alte Fälle mit neuen Verfahren gelöst werden. Silke Wilberg verweist auf den Sexualmord an einer Tramperin in der Uckermark 1991. Mehr als 20 Jahre später, der Fall war zu den Akten gelegt, aber nicht geschlossen, versprachen sich die Ermittler von einem Massen-Gentest Erfolg. Als der Täter erfuhr, dass er davon erfasst werden könnte, nahm er sich das Leben.

„Mord verjährt nicht“, sagt Silke Wilberg, die gern hin und wieder Krimis schaut, am liebsten die „Polizeirufe“ mit Charly Hübner in Rostock und mit Maria Simon an der deutsch-polnischen Grenze. Denn Letzteres ist ja auch ihr Arbeitsfeld.

„Wir reagieren auf Entwicklungen“, sagt Silke Wilberg über die LKA-Arbeit. Die grenzüberschreitende Kriminalität sei nach wie vor ebenso eine Herausforderung wie Verbrechen, die über das Internet geplant und durchgeführt werden. „Illegal an Geld kommen, ohne sich dabei die Hände schmutzig zu machen“ – diese Masche sei leider auf dem Vormarsch. „Unsere Computer werden größer und größer, um mitzuhalten“, sagt die Expertin. „Diesen Trend hätte sich vor zehn Jahren niemand so vorstellen können.“

Die Zeiten ändern sich also für die 530 LKA-Mitarbeiter. Neu ist die Terrorismusbekämpfung. Drogenschmuggler fokussieren sich derzeit mehr auf Crystal als auf Kokain, was die Transportwege verändert und damit auch die Ermittlungsarbeit.

Aber manche Dinge ändern sich nicht. „Beziehungstaten werden heute nicht anders begangen als vor 25 Jahren“, schätzt Silke Wilberg ein.

Manche Kriminalitätsphänomene kommen und gehen, um auf einmal zurückzukehren. Die erste Soko 1992 hieß „Weide“ und widmete sich erfolgreich Kuhdiebstählen. Im März wurde die Soko „Koppel“ gegründet. Offenbar wieder mit durchschlagendem Erfolg. Seit dem Frühjahr wurden keine neuen Fälle von Rinderdiebstählen bekannt.

Heute werden 25 Jahre LKA in Eberswalde mit einem Festakt gefeiert. Morgen gibt es dort im LKA von 10 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür. 

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