zur Navigation springen

Bigamie im Tierreich : Dem untreuen Storch droht Ärger

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Männchen klappern auch gern in fremden Horsten, aber zu viele Jungtiere überfordern sie

Ein Storch aus dem Oranienburger Ortsteil Eden (Oberhavel) fliegt seit drei Jahren im Winter nicht mehr in den Süden. So treu ist der Vogel jedoch nur gegenüber seinem Horst. Der Storchenbeauftragte des Naturschutzbundes (Nabu) in Oranienburg, Roland Heigel, hat das Tier jetzt in flagranti erwischt.

So soll sich der Storch nicht nur mit seiner langjährigen Partnerin gepaart haben. Er wurde auch beim Klappern im benachbarten Ortsteil Germendorf gesichtet. „Der Storch ist ein Bigamist“, sagt Experte Heigel. Allerdings sei die Vielweiberei im Reich der Störche nichts Außergewöhnliches.

Noch doller treibe es das Männchen in Wensickendorf, erzählt der Fachmann weiter. Dieser Storch habe sich in diesem Jahr bereits mit dem dritten Weibchen gepaart. Seine „erste“ Störchin sei die erfahrenste. Sie hatte ihre Vorgängerin während eines Kampfes aus dem Horst vertrieben. Dasselbe Schicksal hatte bereits eine andere Störchin getroffen.

Die Paarung mit mehreren Weibchen wird spätesten nach dem Schlüpfen der Jungvögel ein Problem. Der Storch aus dem Ortsteil Eden muss sich dann auch um beide Nester kümmern – in Eden und in Germendorf. Weil er das vermutlich nicht schaffen wird, werde sich der Vogel auf seinen „Stammhorst“ konzentrieren, sagt Heigel.

Die „Zweitfrau“ und deren Jungstörche hätten dann das Nachsehen. Heigel kann auch von anderen Fällen berichten. Bereits vor zwei Jahren hatte sich ein Männchen in seinem Heimatort Wensickendorf mit drei Weibchen eingelassen. Weil er nicht gleichzeitig auf allen drei Nestern sein konnte, wurde er von zwei Nestern durch Eindringlinge verdrängt.

Die Störche warfen dessen Eier aus dem Nest und begatteten die Weibchen erneut. Wann sich Nachwuchs auf dem Horst im Ortsteil Eden einstellt, ist nicht klar. Andere Störche sind bei der Fortpflanzung schon etwas weiter.

Die über Spanien zurückgekommenen Störche in Kremmen und in Schönfließ waren früher da und haben bereits Eier im Nest, berichtet Heigel. In Kremmen gebe es in diesem Jahr sieben Storchenpaare.

Vergangene Woche war Heigel zu einem „Nesteinsatz“ vor Ort. Das Verlängerungsrohr auf einem Schornstein wurde entfernt. Ein Storchenpaar hatte vergebens versucht, um das Rohr herum ein Nest zu bauen. Heigel, der seit 2001 Storchenbeauftragter des Nabu ist, hat zu dem Edener Storch eine besondere Beziehung aufgebaut.

Der Zugvogel war im Winter 2012 einfach dort geblieben, statt nach Afrika zu fliegen. Im strengen Winter mit geschlossener Schneedecke fand er aber nicht genug Nahrung. Heigel päppelte ihn auf und beringte ihn. Seitdem bleibt er jeden Winter auf seinem Horst in Eden.

Nahrung findet der Weißstorch auf der Kompostieranlage in Germendorf. Per Teleobjektiv an der Fotokamera kann Heigel die Ringnummer am Storchenbein ablesen. Wie alt der Vogel ist, weiß er aber nicht. „Er war schon ein Altstorch, als ich ihn beringt habe.“

Klaus D. Grote

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen