Natur : Dem Straussee geht das Wasser aus

Boote am Straussee (märkisch-Oderland) liegen bereits teilweise auf dem Trockenen.
Boote am Straussee (märkisch-Oderland) liegen bereits teilweise auf dem Trockenen.

Jahrelang haben die Strausberger gerätselt, warum ihr See immer weniger wird / Jetzt liegt ein von der Stadtverwaltung beauftragtes Gutachten vor

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21. April 2020, 05:00 Uhr

Die Strausberger wollen ihren Straussee retten. In einer Bürgerinitiative engagieren sich dafür mehr als 250 Mitstreiter. Denn seit Jahren sinkt der Pegel des als klar und sauber gepriesenen Badeparadieses scheinbar unaufhaltsam. Im Vorjahr lag das Freibad bereits trocken und auch in dieser Saison wird es nicht öffnen können.

Der Pegel an der Straussee-Fähre stand bei normalen Wasserverhältnissen durchschnittlich bei1,30 Meter. Seit zwei Jahren ist er nicht mehr in Betrieb, da völlig auf dem Trockenen. Ein vom Landesumweltamt weiter im See postierter Hilfspegel steht bei nur 50 Zentimetern.

Wohin das Wasser verschwindet und wer oder was schuld haben könnte, darüber rätseln die Strausberger seit Jahren. Das Gutachten zweier Firmen aus Berlin und Dresden sowie von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden, das die Stadtverwaltung in Auftrag gab, soll Klarheit bringen und Vorschläge liefern, wie die negative Entwicklung möglichst gestoppt werden kann.

Die Ingenieure und Wissenschaftler sprechen von einer „Überlagerung mehrerer Einflussfaktoren“. Als Hauptursache, dass dem Straussee das Wasser ausgeht, haben sie nach Informationen der Stadtverwaltung ausgebliebene Niederschläge der vergangenen Jahre und die starke Verdunstung wegen höherer Temperaturen während der Sommermonate ausgemacht.

Einen Einfluss auf den sinkenden Pegel hat laut Gutachten das 2014 in Betrieb genommene Wasserwerk Spitzmühle, das wie das Wasserwerk Strausberg dem See Grundwasser zur Trinkwassergewinnung entzieht. Gäbe es Spitzmühle nicht, könnte der Pegel 20 Zentimeter höher sein, urteilen die Gutachter. Doch selbst wenn dort die Fördermengen reduziert würden, wäre der Gesamt-Trend nicht aufzuhalten.

Die Bürgerinitiative sieht ihre Befürchtungen bestätigt. „Der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner wird die Förderung nicht freiwillig reduzieren“, glaubt der Vorsitzende Frank Weber. „Im Gegenteil, er hat beim Landesumweltamt sogar eine Erhöhung beantragt.“ Das bestätigt Thomas Frey, Sprecher der Behörde.

Das Landesbehörde müsse auf die Ergebnisse des Gutachtens reagieren, fordert Weber. „Wir als Bürgerinitiative werden da nicht locker lassen.“ Um die Bildung von Grundwasser zu erhöhen, aus dem sich der See unter anderem speist, sollten im Einzugsgebiet mehr Wiesen bisherige Nadelwaldbestände ersetzen, empfehlen die Gutachter weiter. Dadurch könnte der Wasserstand um 30 Zentimeter steigen.

Anhand von Messdaten und Wasserproben hatten sie ein Wasserhaushaltsmodell des Straussees und des Einzugsgebietes erstellt. „Die Berechnungen zeigen, dass dem See zur Sicherung des Mittelwasserstandes im Durchschnitt 14 Liter pro Sekunde fehlten“, informiert Stadtsprecherin Caroline Haitsch-Berg.

Ursprünglich hatte Stadtverwaltung das Gutachten in einer Bürgerversammlung vorstellen wollen. Wegen der Corona-Krise wurde die Veranstaltung abgesagt. Auch eine Videopräsentation in Strausberg (Märkisch-Oderland) scheiterte nach Angaben der Stadtsprecherin, weil den Gutachtern ein Dienstreiseverbot ihrer Arbeitgeber erteilt worden war.

Der Endbericht werde sich daher um etwa vier Wochen verzögern, sagte Haitsch-Berg. „Den warten wir ab und rechnen dann durch, ob sich die Werte mit unseren Fakten decken und nachvollziehbar sind. Erst danach wird das Landesumweltamt über den Antrag des Wasserverbandes entscheiden“, sagt Frey.

Der drastisch zurückgehende Wasserspiegel sei nicht nur ein Problem im Straussee, sagt Frauke Zelt, Sprecherin des Umweltministeriums. Extrem trockene Sommer und starke Verdunstung wegen hoher Temperaturen setzten allen mehr als 1000 Seen in der Mark zu. So kämpft auch der Seddiner See (Potsdam-Mittelmark) mit spürbar sinkenden Wasserständen. Zelt führt auch die Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster in derLausitz an. „Auch der Regen der vergangenen Wochen genügte nicht, um dort alle Talsperren und Speicher wieder aufzufüllen“, betonte Zelt.

Befürchtungen von Strausbergern, die für das Tesla-Werk in Grünheide (Oder-Spree) geplante Wasserentnahme würde den Straussee weiter belasten, seien unbegründet, so die Ministeriumssprecherin. „Genehmigt wurde dem Wasserverband Strausberg-Erkner eine höhere Fördermenge im Raum Eggersdorf, ausdrücklich nicht in der Region Strausberg.“

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