Tierschutz : Dem Biber auf den Fersen

Undine Schubert und Mathias Gutt an einem Biberdamm in Altfriedland
Undine Schubert und Mathias Gutt an einem Biberdamm in Altfriedland

Brandenburgs Landesbeauftragte erzählen vom mühsamen Kampf für und gegen die Nager

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27. Januar 2016, 09:05 Uhr

Seit September 2015 hat das Land Brandenburg zwei hauptamtliche Biberbeauftragte. Inzwischen können sie viele Geschichten erzählen – von emotionalen Anrufern, konstruktiven Gesprächen und berechtigten Bürgersorgen.

Von einem Tag auf den anderen waren mehrere Pflaumenbäume weg, gefällt vom Biber. Entsprechend aufgeregt war die Grundstücksbesitzerin am Telefon. Ihr Vater habe die Bäume gepflanzt, klagte sie. „Was jetzt? Wie soll das weitergehen?“, will sie von Mathias Gutt wissen. Solche Anrufe sind das tägliche Brot des 37-jährigen Biberbeauftragten. Mit seiner 32-jährigen Kollegin Undine Schubert klärt er auf, berät und sucht mit Geschädigten Wege, dass nicht noch weitere Obstbäume im Garten Opfer des Nagers werden.

Garantien können die Experten den Leuten nicht geben. Auch die Information, dass Schutzmaßnahmen bis zu einer Bagatellgrenze von 5000 Euro von den Betroffenen gezahlt werden müssen, löst auf der anderen Seite keine Jubelstürme aus. Dennoch sei die Dankbarkeit der Bürger groß, dass es jetzt Ansprechpartner für ihre Sorgen gibt. „Fahren wir zu den Leuten raus, ist die Gesprächsatmosphäre dort sehr gut“, sagt Undine Schubert. „Seit Mai gilt die Biberverordnung. Das hat die Stimmung positiv verändert.

Die Leute merken, da ist Bewegung drin“, bestätigt Gutt. Wichtig sei das Verständnis dafür, dass es meist keine einfachen und schnellen Lösungen gebe. Am hohen Schutzstatus der Nager ist nicht zu rütteln, obwohl es wieder mehr als 3300 der einst ausgerotteten Tiere in der Mark gibt.

In der Mehrzahl der Konflikte geht es für die Beauftragten darum, weitere Schäden zu verhindern, ein Leben mit dem Biber zu organisieren. Undine Schubert und Mathias Gutt haben bei ihren Vor-Ort-Terminen Broschüren dabei, in denen steht, dass ein Zaun 30 Zentimeter tief in den Boden reichen muss, damit er den Obstgarten vor dem Eindringling schützt. „Wenn er einen Baum gefällt hat, empfehlen wir, die Äste als Ablenkfutter liegen zu lassen, damit er sich nicht gleich den nächsten holt“, erzählt Gutt. Die Politik der friedlichen Koexistenz zeigt sich auch in Frankfurt. Dort ist der Biber auch auf der Oderinsel Ziegenwerder aktiv. „Das ist relativ problemlos“, erklärt Gutt. „Wir lassen ihn in Ruhe. Dass er dort Bäume fällt, ist weniger schlimm, als wenn er es am Ufer hin zur Stadt tun würde.“ Und wenn er sein Revier dorthin verlagert? „Dann schreiten wir ein, schützen den Deich mit Drahtmanschetten, Gittern, Steinpackungen.“ Hier greife dann jene Verordnung, die das Fangen und den Abschuss erlaubt, wenn erhebliche wirtschaftliche Schäden oder Gefahren für Leib und Leben drohen und der Biber sich nicht vertreiben lässt.

Mindestens vier Tiere seien im Oderbruch bereits geschossen worden. „In der Abenddämmerung auf die Lauer legen, mit Äpfeln und Mais anfüttern. So bekommt man ihn“, sagt Gutt, seines Zeichens Bisamjäger. Überhaupt: das Oderbruch. Zweifellos die Region mit den größten Konflikten, wofür die Biberbeauftragten Verständnis haben. Bauern fürchten um ihre Maschinen, mit denen sie einzubrechen drohen, wenn der Biber den Boden ausgehöhlt hat, viele Anwohner sorgen sich um die Deiche, die jene trockengelegte Landschaft schützen. „Wir verstehen die Ängste und Emotionen“, beteuert der Biberbeauftragte.

In Bad Freienwalde gibt es einen Fall, in dem mit einer Drainage dafür gesorgt werden soll, dass ein aufgestauter Kanal nicht zur Bedrohung für eine Bundesstraße wird. Hier ist wie an vielen anderen Orten der Wasser- und Deichverband Gedo im Einsatz. Schilderungen der Experten zeigen, wie zeitaufwändig und mühsam die Einsätze sind, allein die regelmäßigen Fahrten zu problematischen Stellen, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt.

Überrascht sind die Beauftragten von der Bibertätigkeit an einem Deichrandgraben in Neurüdnitz direkt an der Oder. Auf einem Kilometer Länge hat er das Gewässer hochgestaut. „Warum baut er hier, und nicht vorn an der Eisenbahnbrücke? Das wäre einfacher für ihn“, denkt Mathias Gutt laut. Man steckt eben nicht drin. Auch dass er vom Graben aus eine mächtige, mehr als fünf Meter lange Röhre in den Boden gegraben hat in Richtung Hauptdeich, gefällt Gutt nicht. Röhre zuschütten und hoffen, dass er dann am Graben bleibt, das sei die erste Maßnahme. Dann sehe man weiter.

Und auch wenn es zumindest im Oderbruch ein schwieriges Unterfangen sein dürfte, die Landes-Experten wollen Sympathie für den klugen Nager wecken. Bayern ist dafür das Musterland. Dort wird mit dem Biber um Touristen geworben. Als erster Schritt sollen im Land noch 2016 Kurse für ehrenamtliche Biberbetreuer starten. Sie sollen dabei helfen, im Konfliktfall alle Parteien an einen Tisch zu bekommen. „Funkstille ist das größte Problem im Umgang mit den Tieren“, sagt Schubert.

Mathias Hausding

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