zur Navigation springen

"Deichgraf" Platzeck blickt sorgenvoll

vom

Cottbus/Potsdam | Die Nachrichten klingen bedrohlich - und der "Deichgraf" eilt an den Ort des Geschehens. "Die Situation bereitet mir Sorgen", sagt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und blickt auf das immer weiter steigende Wasser der Spree. Kurzerhand hat der Landesvater am Mittwoch seinen Terminplan geändert und ist nach Spremberg geeilt. Beim Oderhochwasser 1997 hat er den inoffiziellen Titel "Deichgraf" bekommen - es scheint, als ob er noch reichlich Gelegenheit bekäme, in diese Rolle zu schlüpfen.

"Es bewahrheitet sich immer mehr, dass extremen Trockenphasen starke Niederschläge folgen", sagte Platzeck. Bereits vor sieben Wochen hatte der Landesvater prognostiziert: "Wir werden da keine Ruhe haben." Mit Blick auf die erneuten Fluten meinte er nun: "Man muss auch demütig sagen: Natur ist auch Natur." Etwas Gutes jedoch kann der 56-Jährige der Situation abgewinnen: Das Land gewinnt zunehmend an Professionalität im Umgang mit der Hochwassergefahr. "Das ist das einzige Positive an häufigen Hochwassern."

Umweltministerin Anita Tack (Linke) bedauerte die Menschen in der Region: "Das ist jetzt schon das vierte Hochwasser. Das ist schon ein bisschen heftig." Besonders kritisch ist die Lage an der Schwarzen Elster. "Wir haben dort die historisch höchsten Wasserstände, die je gemessen wurden", sagte Platzeck. "Es ist beängstigend", meinte auch Anwohnerin Karin Bogner, die an der Spree wohnt. "Im August war es schon hier, jetzt ist es höher, und das Wasser steigt stündlich."

In Elsterwerda mussten die Menschen am Nachmittag ihre Häuser in der Innenstadt verlassen. Patienten des Krankenhauses in dem Städtchen mit rund 12 000 Einwohnern wurden in andere Kliniken gebracht. Rund 2500 Menschen sind betroffen. Auch in Bad Liebenwerda bedroht das steigende Wasser der Schwarzen Elster die Innenstadt. Hier ist ebenso mit einer Evakuierung zu rechnen. Bereits am Morgen mussten die Schüler das Elsterschloss- Gymnasium räumen, das vom Hochwasser bedroht wurde. Auch Bewohner in Bad Liebenwerda mussten damit rechnen, dass es zur Evakuierung kommt.

Hunderte Feuerwehrleute und andere Helfer waren pausenlos im Einsatz, um mit Sandsäcken Deiche zu stabilisieren und von den Wassermassen bedrohte Gebäude zu schützen. Ein mehrere Meter langer Deichriss der Schwarzen Elster konnte nur mit Mühe geflickt werden. Am Pegel Bad Liebenwerda übertraf der Wasserstand den kritischen Wert der Stufe 4 um mehr als 30 Zentimeter und näherte sich der Marke von 3,50 Meter. Sonst ist der Wasserstand des kleinen Flusses dort nur etwa halb so hoch. Die Hochwasserwelle aus Sachsen ließ die Neiße bei Klein Bademeusel (Spree-Neiße) auf die Stufe A 2 anschwellen, Tendenz steigend. Der Ort war erst vor sieben Wochen von dem Hochwasser besonders betroffen und wurde geräumt. Besucher des Spreewaldes können trotz des Hochwassers weiterhin Kahnfahrten buchen. Darauf wies Steffen Franke, Chef der Kahnfährgenossenschaft Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) hin.

Die Helfer gewinnen an Routine, auch die Anwohner werden zunehmend abgeklärter. Aber der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, warnt: "Das ist kein gewöhnliches Hochwasser."

zur Startseite

von
erstellt am 29.Sep.2010 | 08:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen