Gedenken in Oranienburg : „Das sollten wir nicht vergessen“

Bundespräsident Joachim Gauck gedenkt in Oranienburg an der Gedenktafel am Standort der ehemaligen Synagoge der Opfer der Reichspogromnacht vor 77 Jahren.
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Bundespräsident Joachim Gauck gedenkt in Oranienburg an der Gedenktafel am Standort der ehemaligen Synagoge der Opfer der Reichspogromnacht vor 77 Jahren.

Bundespräsident Joachim Gauck erinnert in Oranienburg an die Judenpogrome vom 9. November 1938

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09. November 2015, 20:00 Uhr

Bundespräsident Joachim Gauck hat gestern in Oranienburg (Oberhavel) an die Opfer der Judenpogrome vom 9. November 1938 erinnert und einen Kranz am Gedenkstein für das ehemalige jüdische Bethaus in der Havelstraße niedergelegt. Anschließend besuchte das Staatsoberhaupt die jüdische Gemeinde.

Er habe sich an diesem geschichtsträchtigen Tag der Deutschen bewusst für einen Besuch Oranienburgs entschieden. „Denn hier gibt es eine kleine und relativ junge jüdische Gemeinde. Es ist ein Geschenk für uns Deutsche, dass heute wieder Juden nach Deutschland kommen, um hier zu leben und zu arbeiten“, sagte der Bundespräsident. Gauck zeigte sich tief beeindruckt davon, wie die jüdische Gemeinde sich im Jahr 2000 in Oranienburg neu gegründet und organisiert habe. Die offene Verfolgung und Ermordung der Juden vor 77 Jahren bezeichnete Gauck als „furchtbaren Kulturbruch“. Schon mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 seien Fremdenhass und Antisemitismus propagiert worden. „Aber mit dem 9. November 1938 ist eine Eskalationsstufe erreicht worden, die vielen den Schrecken in die Glieder getrieben hat“, sagte Gauck.

Die Reichspogromnacht sei der Beginn des staatlich organisierten Massenmordes der Nationalsozialisten an den Juden gewesen. „Daran wollen wir erinnern, das sollten wir nicht vergessen“, sagte Gauck nach dem Besuch des jüdischen Gemeindehauses in der Sachsenhausener Straße. „Für uns war der Besuch des Bundespräsidenten eine große Ehre“, sagte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde „Wiedergeburt“, Elena Miropolskaja. Als das Bundespräsidialamt vor einiger Zeit in der Gemeinde angerufen hatte, um den Besuch vorzubereiten, habe sie es zunächst gar nicht glauben können. Als sich nach dem Besuch die Aufregung legte, zeigte sich Elena Miropolskaja stolz. Anna Erchova nutzte die Gelegenheit für ein Selfie mit dem Bundespräsidenten. Die 22-jährige BWL-Studentin war begeistert von der Begegnung mit dem Staatsoberhaupt. Die Atmosphäre im Beethaus sei sehr freundlich gewesen.

Die Gemeinde entstand, wie in anderen Städten Brandenburgs auch, allein durch Zuzügler, Aussiedler und Flüchtlinge, sagte Rabbiner Nachum Pressman. Dabei gehört Oranienburgs Gemeinde mit 100 Mitgliedern zu den kleinsten.

Stellung zur aktuellen Politik musste der Bundespräsident auf Nachfrage von Journalisten beziehen. Zum von Teilen der CDU ins Gespräch gebrachten Vorschlag, den Familienzuzug für Flüchtlinge aus Syrien zu begrenzen, wollte sich Gauck zwar nicht äußern. Er sagte aber, „Flucht und Vertreibung haben das Schicksal der Deutschen über Jahrzehnte bestimmt. Wir wissen, was es heißt, fliehen zu müssen und Schutz zu benötigen. Deshalb werden wir aufnahmebereit bleiben.“

 
 

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