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Industriedenkmal braucht Geld für Sanierung : Das Kraftwerk Plessa ging vor 90 Jahren in Betrieb

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Riesige Maschinen, Regler und historische Schalter –Das Industriedenkmal müsste weiter saniert werden

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2017 | 05:00 Uhr

„Es war heiß und es hat nach Öl gerochen.“ Wolfgang Alkier steht in einer riesigen historischen Maschinenhalle und erinnert sich. Als er 16 Jahre alt war, fuhr er morgens mit dem Fahrrad zum Kraftwerk in Plessa (Elbe-Elster), wo er einen Teil seiner Ausbildung absolvierte. Heute führt der über 70-Jährige Touristengruppen durch das Industrie-Denkmal, das von der Geschichte der Braunkohle in Südbrandenburg zeugt. Vor 90 Jahren - 1927 - lieferte das Kraftwerk laut Förderverein erstmals Strom. Nach der Wende 1989 wurde es stillgelegt.

Alkier betritt einen Raum im Obergeschoss - die Schaltwarte. „In dem Bereich durften sich nur die eingewiesenen Mitarbeiter aufhalten“, sagt das Vorstandsmitglied des Fördervereins Kraftwerk Plessa. Telefone aus DDR-Zeiten sind zu sehen, es gibt viele Regler, Bedienhebel, Zähler und Anweisungen etwa zum Anfahren einer Turbine. In dem Kraftwerk mit den beiden markanten rund 100 Meter hohen Schornsteinen fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt.

Viele Bereiche wurden seit der Wende saniert, aber der Förderverein würde gerne noch viel mehr erneuern lassen. „An den Außenanlagen müsste einiges getan werden“, sagt Alkier. Dafür fehle Geld. Die vollständig erhaltene Technik des Kraftwerks sei europaweit außergewöhnlich, betont er.

Das Kraftwerk in der Gemeinde Plessa nahe der Landesgrenze zu Sachsen zeugt von der jahrhundertealten Industriekultur im Osten Deutschlands. Es gibt viele Orte in der Region mit einem historischen Bezug zur Braunkohle. Längst sind touristische Konzepte entwickelt worden, um die vielen Standorte - soweit sie erhalten blieben - zugänglich zu machen. Noch heute wird in der Lausitz Braunkohle gefördert.

Beliebt ist bei Touristen unter anderem die ehemalige Tagebau-Abraumförderbrücke F 60 in Lichterfeld, nicht weit von Plessa entfernt. Auch die Gartenstadt Marga in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) veranschaulicht in einer integrierten Ausstellung den Lebensalltag von Braunkohle-Arbeitern. Die Werkssiedlung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut.

Der Tourismusverband Elbe-Elster-Land wirbt mit der Energiegeschichte der Region. Eine Energieroute zum Beispiel verbindet einzelne Industriestandorte.

Auch der Verband beobachtet mit Sorge die Situation des Kraftwerk-Denkmals in Plessa, das laut Förderverein bereits zu DDR-Zeiten 1985 als technisches Denkmal anerkannt wurde. Es brauche dringend finanzielle Hilfen, allein um den Stand der Sanierungen zu erhalten, heißt es beim Tourismusverband. Einen Schub erhielt der Standort durch die mehrjährige Internationale Bauausstellung (IBA) in der Bergbauregion. Das Programm mit Dutzenden Projekten lief bis 2010. Viel Geld floss damals in das Kraftwerk.

Der Tourismusverband wirbt dafür, die Öffnungszeiten des Denkmals für Besucher auszuweiten. Und die Vernetzung zwischen den Industriekultur-Standorten in der Region könnte verbessert werden, um Synergien zu bilden. Mehrere Hundert Besucher zählt das Kraftwerk-Denkmal Plessa jährlich, wie Wolfgang Alkier sagt.

Es gibt in der Gemeinde Plessa nach Angaben des dortigen Amtes eine „hohe Identifikation“ mit dem Denkmal. Das liege auch daran, dass das Kraftwerk jahrzehntelang einer der größten Arbeitgeber gewesen sei.  

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