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Käferpülage in Alt Galow : Das große Krabbeln im ganzen Haus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Uckermärkerin verlangt vor Gericht Schadenersatz für Käferplage

Knapp fünf Minuten dauert die Verhandlung in Raum 306 des Frankfurter Landgerichts. Richter Stefan Gömann, Kläger-Anwalt Marcel Kasten und Verteidiger Marco Andrä hatten nicht viel zu sagen im Prozess der Beate Shead gegen die Agrar GmbH Schöneberg, in dem es um Schadenersatz, Schmerzensgeld – und vor allem die Invasion von Millionen Käfern im Haus der Klägerin geht.

Beate Shead fühlt sich noch heute an einen Horror-Film erinnert, wenn sie vom gruseligen Alltag aus dem Jahr 2014 erzählt. „Überall im Haus waren diese Käfer. Wir haben sie totgetrampelt, so dass mir die Beine schmerzten. Kaum waren sie tot, kamen neue und fraßen die toten Tiere auf – wie die Kannibalen“, sagt die Alt Galowerin, die 1974 zunächst das Haus der dortigen LPG mietete und später kaufte. So etwas wie 2014 und im darauffolgenden Jahr habe sie jedoch noch nie erlebt – und macht die Agrar GmbH Schöneberg für den Grusel in und an ihrem Haus verantwortlich. Die habe, sagt die Klägerin, Abfallprodukte einer Bio-gasanlage in Schwedt als Gülle auf die Felder gebracht und so die Käferplage herbeigeführt, von der auch andere Grundstücke betroffen waren. Im Schlafzimmer, im Keller, auf dem Boden – überall habe sich die Armee der später als Rotbeiniger Haarschnellläufer identifizierten Käferart breit gemacht und sogar das Silikon aus den Fensterfugen gefressen. „Die Käfer fliegen an die Zimmerdecke und fallen dann herunter“, schilderte Beate Shead die nächtlichen Dramen vor knapp drei Jahren.

Vor Gericht kommen all die Details nicht zur Sprache. Dort geht es um einen Streitwert von 6000 Euro. Nach Aussagen von Verteidiger Marco Andrä für Schmerzensgeld und verschmutzte Matratzen. „Aber es ist strittig, von wo die Käfer hergekommen sind“, sagt der Anwalt.

Und selbst wenn: Das Oberlandesgericht Stuttgart habe 2004 ein Urteil gefällt, das seiner Meinung auch auf „das große Krabbeln“ von Alt Galow zutrifft: Ein Grundstückseigentümer muss für Insektenschäden an den Obstplantagen seines Nachbarn auch dann nicht aufkommen, wenn besagte Insekten nachweislich vom Komposthaufen des Grundstückseigentümers stammen. „Ein Grundstückseigentümer haftet nur, wenn er die Ursache gesetzt oder gefördert hat“, betont Andrä.

Doch die Herkunft der Käfer-Armee hat selbst das zuständige Veterinäramt des Landkreises nicht wirklich interessiert. Ein vom Amt Oder-Welse in Auftrag gegebenes Gutachten des Berliner Biologen Karl-Hinrich Kielhorn empfahl Beate Shead lediglich, solange abzuwarten, bis die über mehrere Wochen andauernde Invasion vorüber ist. Und der SPD-Landtagsabgeordnete Mike Bischoff hatte für die ratlose Frau nur einen Rat: ins Hotel ziehen und den Kammerjäger holen. Denn die penetranten Käfer waren Beate Shead zufolge gegen jegliche handelsüblichen Mittel zur Bekämpfung der Plage immun.

Seit 2015 hat Beate Shead Ruhe vor dem laufenden Teppich schwarzer Käfer in ihrem Haus. Aber die Angst bleibt, dass sie eines Tages zurückkehren und wieder keiner verantwortlich sein will. „Die Agrar GmbH hatte mir damals zugesagt, für den Schaden aufzukommen – wenn sie schuld sein sollte“, sagt die Klägerin.

Genau diese Frage soll nun vor dem Landgericht geklärt werden. Eine Entscheidung wird am 15. Mai erwartet.


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erstellt am 28.Apr.2017 | 05:00 Uhr

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