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Mahnmal : „Das erlittene Trauma wirkt bis heute noch nach“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Spiegelstele mit Gitterstäben erinnert an „Kindergefängnis Bad Freienwalde“

svz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Mit einem Mahnmal sollen die Erinnerungen an Unrecht in einem früheren Heim der DDR-Jugendhilfe in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) wachgehalten werden. Die Spiegel-Stele mit Gitterstäben, die ein Verein initiiert hatte, wurde gestern enthüllt. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte: „In diesem Heim wurden jene durch den Entzug von Menschlichkeit bestraft, die sie am dringendsten gebraucht hätten: Kinder und Jugendliche, die sich in persönlichen Ausnahmesituationen befanden.“ Zugleich betonte er, dass es noch heute Unwissen darüber gebe, warum Kinder dorthin gebracht worden seien. „Wir müssen dieses Kapitel unserer Geschichte aufarbeiten“, sagte Woidke.

Wie wichtig ein solches Mahnmal vor allem für die Betroffenen ist, unterstreicht Brigitte Schreiber vom Vereinsvorstand „Kindergefängnis Bad Freienwalde“. „Das damals erlittene Trauma wirkt noch heute nach“, so die Mitbegründerin. „Türen müssen immer unverschlossen sein, Essen wird bis heute gebunkert. Aus Angst, nichts mehr zu bekommen“, berichtet sie aus dem Alltag. Körperliche Bestrafungen, Arrest in Einzelzellen bis hin zu sexuellen Übergriffen beklagen die dort in den Jahren zwischen 1968 und 1987 Untergebrachten.

Die Stele steht vor dem heutigen Polizeirevier, wo sich früher das Durchgangsheim befand. Wegen vergitterten Fenstern und dem Erziehungssystem wird es auch Kindergefängnis Bad Freienwalde bezeichnet.

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, sagte: „Die Kinder in den Durchgangsheimen erlebten keine Geborgenheit und Wertschätzung, sondern wurden ihrer Individualität beraubt, fühlten sich ausgeliefert und isoliert.“

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