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Tabakernte : Das einstige Gold der Uckermark

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Letzter Anbaubetrieb in Brandenburg erntet von Juli bis September. Insgesamt nur vier Tabakbauern im Land

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Der letzte Tabakanbaubetrieb in der Uckermark hat im Juli seine Ernte gestartet. Bis zu achtmal fahren die Erntemaschinen der Uckermark Tabak GmbH durch die Reihen. Die Maschinen aber transportieren nur, die Ernte ist immer noch Handarbeit von Erntehelfern aus Osteuropa.

Auf den Feldern der Uckermark Tabak GmbH, direkt an der Bundesstraße 2 bei Vierraden, läuft die Ernte auf Hochtouren. Große Erntemaschinen bewegen sich langsam durch die Reihen. Was man von weitem nicht sieht: Es ist immer noch Handarbeit. Wie im 20. Jahrhundert, als der Tabakanbau in Deutschland noch 200 000 Bauernfamilien ernährte, pflücken nach wie vor flinke Hände die unteren, reifen Blätter von den Pflanzen.

Heute bewegen sich die Erntehelfer aus Rumänien, die für drei Monate in einem Containerdorf in Vierraden leben und arbeiten, dafür jedoch nicht mehr in gebückter Haltung über den Acker, so wie einst die uckermärkischen Bauern. Die Frauen und Männer sitzen auf Sitzschalen wenige Zentimeter über dem Boden und pflücken die Blätter zumindest in halbwegs bequemer Haltung. Die Sitze sind unter einem fahrenden Wagen montiert, der langsam die Reihen abfährt. Jeder Pflücker pflückt in den Reihen rechts und links von sich die reifen unteren Blätter der Pflanze, packt sie in einen kleinen Aufzug, der alle paar Minuten hochfährt und von einem der Packer entleert wird. Die Packer stapeln die Blätter zu Ballen. Ist die Plattform der Erntemaschine damit voll, werden die Blätterballen auf einen Traktorhänger umgeladen. Währenddessen haben die Pflücker eine Zigaretten-, Dehn- oder Toilettenpause.

Es ist ein anstrengender, monotoner Job. Auch das Sitzen wird irgendwann zwischen den schier endlosen Pflanzreihen unbequem. Ralf Molzahn, Geschäftsführer des Tabakanbaubetriebes, findet dafür schon seit zehn Jahren keine deutschen Arbeitskräfte mehr. In der Erntesaison stellt er Saisonarbeiter an. Die bedienen die fünf Erntewagen, die auf den 70 Hektar Anbaufläche unterwegs sind, komplett allein.

Seit 2001 ist der Tabakanbau der Milgeta Vierraden ausgegliedert in die Uckermark Tabak GmbH. Sie ist der einzige Betrieb, der in der Uckermark noch Tabak anbaut. Mit ihm gibt es noch drei Tabakbauern in ganz Brandenburg.

Tabak wird schon seit 300 Jahren in der Uckermark angebaut. Hugenotten, Flüchtlinge aus Frankreich, führten den Anbau ein. Zu DDR-Zeiten verdienten sich viele Bauern privat gutes Geld dazu, indem sie Tabak pflanzten und in ihren Scheunen trockneten und zu staatlich gestützten Preisen verkauften. Auch heute, sagt Ralf Molzahn, ist Tabakanbau lukrativ. Den Rückgang des Verbrauchs in Deutschland versuchen die Erzeugergemeinschaften durch die Erschließung neuer Märkte zu kompensieren, zum Beispiel den Emiraten. In diesem Jahr ist Molzahn mit der ersten Ernte nicht so zufrieden. „Es ist einfach zu nass, der Dünger fließt weg und die Blätter sind zu hell“, sagt er. Insgesamt holen die Helfer in den drei Erntemonaten bis zu 150 Tonnen Tabak vom Feld. 

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