Waldkino in Brandenburg : Dann fliegt eine Fledermaus durchs Bild

Mitten in einem brandenburgischen Wald ist eine Scheune zu einem Mini-Kino umfunktioniert

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26. Mai 2017, 05:00 Uhr

Hammer Wildschweine haben sich noch nicht ins Waldkino verirrt. „Aber Fledermäuse fliegen durchs Bild“, sagt der Leiter der Landeswald-Oberförsterei Hammer südlich von Berlin, Tim Ness. Mitten im Wald, umgeben von hohen Kiefern, steht der 55-Jährige vor einer riesigen Leinwand in einer hohen Scheune. Nur wenig Licht dringt durch die Ritzen des historischen Gebäudes in Brandenburg. Heute öffnet das Mini-Kino wieder bis September - immer am letzten Freitag eines Monats.

Außergewöhnliche Orte für Kinofilme sind auch andernorts in Deutschland zu finden. In Köln gibt es ein Open-Air-Sommerkino mitten im Wasser eines Hafenbeckens. Die Zuschauer sitzen auf Stufen am Hafenrand. Und auf dem Düsseldorfer Flughafen gibt es Sommerkino auf der Besucherplattform - im Hintergrund starten und landen Flugzeuge.

Da geht es im märkischen Wald doch etwas beschaulicher zu. Aus der Umgebung kommen Einwohner und Touristen mit dem Fahrrad, wie Ness berichtet. Auch Berliner sind darunter, die Wochenendhäuser in Brandenburg haben. Pro Filmabend seien es durchschnittlich 120 Besucher. Einige bringen Klappstühle oder Sitzkissen mit, damit es auf den Bierbänken etwas gemütlicher wird. Vielen gefalle der provisorische Charme des Waldkinos, schildert Ness. Der Kinobesuch ist kostenlos, eine Spendenkasse ist aufgestellt.

Eine Popcorn-Maschine gibt es nicht, dafür Burger mit Fleisch von erlegtem Wild aus den umliegenden Wäldern. Ness, der mit Künstler Wolfgang Georgsdorf das Kino-Filmprojekt vor Jahren initiiert hatte, grübelt, wie er künftig auch Veganer zufrieden stellen kann.

Dem Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) zufolge gibt es in Deutschland einen Trend hin zu einer Vergrößerung der Vielfalt an Kino-Formen. Es gebe ein Interesse bei Betreibern am Experimentieren mit neuen Filmerlebnisformen. Dadurch gewinne das Kino den Stellenwert als besonderen sozialen Ort des Filmgenießens zurück.

Dazu passt auch, dass sich kleine Kinos wacker neben den großen Ketten behaupten. In Berlin zum Beispiel wurde erst im März ein neues kleines Kiezkino in Neukölln - Wolf Kino - eröffnet.

Das Waldkino in Brandenburg geht in seine fünfte Saison und startet mit dem Dokumentarfilm „Samsara“ von Ron Fricke, der in Deutschland 2012 in die Kinos kam. Die Macher reisten dazu in 25 Ländern rund um die Welt. „Samsara“ beschreibt im Buddhismus den ewigen Kreislauf des Lebens mit der Wiederkehr von Geburt, Dasein und Tod. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Freude und Trauer, Ausgelassenheit und Leid, Schuld und Vergebung sowie dem ständigen Wandel thematisieren die Aufnahmen.

Im Waldkino werden laut Ness häufig Filme mit einem Bezug zur Natur gezeigt, aber auch Hollywood sei mal dabei.  

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