Crystal-Sucht folgen Raub und Diebstahl

Polizei warnt vor wachsenden Problemen durch Beschaffungskriminalität

svz.de von
25. Juni 2016, 05:00 Uhr

Politik, Polizei und Suchtexperten ringen weiter um eine Linie im Kampf gegen die Verbreitung der Modedroge Crystal Meth. Anlässlich des morgigen Welt-Anti-Drogen-Tags gingen gestern auf einer von den Linken organisierten Konferenz im Landtag Politiker und Experten aus der Praxis der Frage nach, wie eine moderne Drogenpolitik aussehen müsse.

Hauptthese von Frank Tempel, Drogen-Experte der Linken im Bundestag und zuvor Rauschgiftfahnder in Thüringen: „Repression ist teuer und bringt nichts.“ Ziel müsse sein, Jugendliche durch Präventionsprogramme zu schützen, die Beschaffungskriminalität einzudämmen und im nächsten Schritt Abhängigen Ersatzdrogen anzubieten, um ihnen so die Rückkehr in ein normales Leben zu erleichtern. „An dieses Thema müssen Forscher ran“, forderte Tempel.

Marco Mette, Kripochef in Cottbus und Spree-Neiße, sah ebenfalls in der Beschaffungskriminalität ein großes Problem – für die Abhängigen und die Gesellschaft. Zwei Drittel der Eigentumsdelikte in der Region gingen auf das Konto von jungen Leuten, die stehlen und rauben, um an Geld für Crystal zu kommen.

Mit Empfehlungen an die Politik hielt sich Mette zurück, aber dass Repression in seinen Augen kein Allheilmittel ist, wurde deutlich. „Auch hohe Haftstrafen schrecken andere Dealer nicht ab, weil die Gewinne im Drogenhandel so groß sind.“

Frank Tempel ergänzte, dass schärfere Polizeikontrollen an der Grenze zu Tschechien, wo das Crystal Meth meist herkommt, in erster Linie die Preise für die Droge in Cottbus oder anderen Städten steigen lassen, was der Beschaffungskriminalität Vorschub leiste. Ziel müsse sein, den illegalen Markt zu brechen und die Gewinnmöglichkeiten für Dealer einzuschränken.

Tempel sagte aber auch: „Eine goldene Lösung gibt es nicht. Wir müssen versuchen, die Schäden durch Drogenkonsum zu minimieren.“

Andrea Hardeling, Chefin der Landesstelle für Suchtfragen, erinnerte, dass man nicht wisse, wie viele Brandenburger Crystal Meth konsumieren. Klar sei nur, dass Beratungsstellen im Süden des Landes immer mehr Zulauf von Abhängigen hätten. Hardeling warnte, die Situation zu dramatisieren. Es seien zu viele Mythen und Legenden über Crystal im Umlauf. So gefährlich die Droge sei, wenn man es mit den Warnungen übertreibe, würden die Leute den Präventionskampagnen misstrauen.

In den Augen von Ines Feierabend, Staatssekretärin im Thüringer Gesundheitsministerium, braucht man andere, auf die besondere Zielgruppe zugeschnittene Präventions- und Beratungsangebote. Niedrigschwellig müssten diese Programme sein, Helfer müssten rund um die Uhr über verschiedene Kanäle erreichbar sein. Crystal-Abhängige seien nämlich kaum in der Lage, vereinbarte Beratungstermine einzuhalten.

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