Brandenburg : Crystal Meth: Es fehlen Reha-Plätze

Crystal Meth ist in allen Gesellschaftsschichten verbreitet.
Crystal Meth ist in allen Gesellschaftsschichten verbreitet.

Gesundheitsausschuss des Landtags berät über Vorrücken der Todesdroge

svz.de von
09. September 2015, 14:41 Uhr

In Brandenburg gibt es „deutlich zu wenig“ Angebote zur Beratung und Rehabilitation von Crystal-Meth-Konsumenten. Das sagte das Vorstandsmitglied der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen, Michael Leydecker, gestern im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Potsdamer Landtags. In der Drogenberatung in Senftenberg beträfen mittlerweile 140 von 500 jährlichen Beratungen Crystal-Meth-Fälle.

„Wir sind dort nicht gut aufgestellt“, sagte Leydecker. Da es sich bei der Beratungsstelle um eine kommunale Einrichtung handele, sei der Landkreis gefordert. Geschaffen werden müssten zudem Übergangseinrichtungen für Rehapatienten.

Leydecker zufolge sei Crystal Meth in Brandenburg weiterhin nur im Süden und Südosten stark verbreitet. Nördlich des Berliner Speckgürtels tauche die Droge im Prinzip nicht auf. „Crystal Meth ist eine Droge, die zur Globalisierung passt“, sagte Leydecker. „Wenn junge Leute heute Drogen nehmen, dann sollen sie schneller, schöner und fitter machen und das Ego stärken.“ Verbreitet sei die Droge in allen gesellschaftlichen Schichten: „Es gibt nicht nur den höchstabhängigen Junkie vom Bahnhof Zoo“, so Leydecker. Der Konsum von Crystal Meth sei auch bei Führungskräften, Transportarbeitern beim Kurierdienst oder alleinerziehenden Müttern verbreitet. „Die Droge ist für die unterschiedlichsten Zielgruppen interessant.“ Dennoch müsste vor allem in den Schulen Präventionsarbeit betrieben werden. Der Konsum von Crystal Meth müsse so wie einst das Kiffen „bei den Jugendlichen gebrandmarkt werden“, sagte Leydecker. Jugendliche müssten wissen: „Crystal Meth ist doof.“

Die CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin verwies darauf, dass die Wahlkreisbüros ihrer Fraktionskollegen in der Region regelmäßig Anrufe besorgter Eltern erhielten, die nicht wüssten, an wen sie sich wegen des Drogenkonsums ihrer Kinder wenden könnten. Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze erklärte, die Landesregierung wollte sich ressortübergreifend mit dem Problem beschäftigen. „Wir sollten das Thema Crystal aber nicht dramatisieren, sondern sachlich an die Sache herangehen.“  

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