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Kindesmisshandlung : Cottbuser Kita-Leiterin angeklagt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Verdacht auf Kindesmisshandlung über einen längeren Zeitraum – Einrichtung wurde Betriebsgenehmigung entzogen

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2017 | 05:00 Uhr

In einem Cottbuser Kindergarten sollen über einen längeren Zeitraum Kinder gequält worden sein. Der Einrichtung wurde die Betriebserlaubnis entzogen. Im März muss sich die frühere Leiterin vor dem Amtsgericht verantworten.

Wer sein Essen nicht wollte, bekam es mit dem Löffel in den Mund geschoben. Manche Kinder wurden dafür am Stuhl festgebunden. Das sind einige der gegen die Kita „Kleine Giraffen“ erhobenen Vorwürfe. Bereits Ende Oktober 2016 wurde die Einrichtung geschlossen, wie erst jetzt bekannt wurde. Laut „Lausitzer Rundschau“ warteten die Behörden mit der Veröffentlichung, bis die Schließung des Hauses im Stadtteil Schmellwitz rechtskräftig war. „Für Cottbuser Kinder besteht keine Gefahr mehr“, zitierte die Zeitung den Chef des Jugendamts, André Schneider. Als „unser Wohlfühlplätzchen“ wird das von einem freien Träger bewirtschaftete Haus im Internet beschrieben. Zugelassen war es für 27 Kinder ab dem Säuglingsalter.

Zwei Schüler-Praktikanten war aufgefallen, dass es zumindest manchen Mädchen und Jungen im Kindergarten nicht gut erging. Laut Staatsanwaltschaft hätten sie sich über die Essens-Rituale gewundert und davon in ihrer Schule berichtet, die das Jugendamt einschaltete.

Die Anklagebehörde hat ihre Ermittlungen wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener abgeschlossen. Gegen die Hauptbeschuldigte beginnt im März ein Prozess vor dem Amtsgericht. Es geht um 22 Fälle von Nötigung und Körperverletzung. Bei der Frau handelt es sich um die Chefin des Trägervereins. Sie war Eigentümerin und Bewohnerin des Kita-Gebäudes.

Um den Kindergarten zu erhalten, hatten die Behörden nach Bekanntwerden der Vorwürfe Auflagen erteilt. Als sich bei einer unangemeldeten Kontrolle zeigte, dass diese nur zum Teil erfüllt worden waren, wurde dem Kindergarten mit sofortiger Wirkung die Betriebserlaubnis entzogen.

Berichte über Misshandlungen von Kita-Kindern gibt es immer wieder. So soll im Sommer 2016 ein Kita-Erzieher in Berlin einen Zweijährigen in die Luft geworfen haben, weil er einem Kind das Spielzeug weggenommen hatte. Dem Mann gelang es nicht, den Jungen aufzufangen. Er schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf und war für kurze Zeit bewusstlos, bevor er sich zum Glück wieder erholte. In Eberswalde soll 2014 ein 15-jähriger Kita-Praktikant einem Mädchen einen Tesastreifen auf den Mund geklebt haben, weil es nicht schlafen wollte.

Auch die Landes-Statistik zeigt einen Anstieg der gemeldeten Fälle. So gab es laut Bildungsministerium von 2012 bis 2015 in märkischen Kitas 160 Meldungen über „Gefährdungen des Kindeswohls“ durch Mitarbeiter. Die Zahl der Fälle versiebenfachte sich – von acht im Jahr 2012 auf 56 im Jahr 2015. Bei den gemeldeten Fällen handelte es sich am häufigsten um körperliche Züchtigung, gefolgt von Einsperren, „unangemessenem Erziehungsverhalten“ wie An-der-Nase-Ziehen oder Bloßstellen sowie Zwangsfüttern. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer und fordern eine Kultur des Hinschauens beim Thema Gewalt gegen Kinder.

 

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