Cottbus führt Alkoholverbot ein

Der Puschkinpark und die Puschkinpromenade ian der Cottbuser Stadthalle (r).
Der Puschkinpark und die Puschkinpromenade ian der Cottbuser Stadthalle (r).

Prügeleien, Pöbeleien, Konflikte zwischen Deutschen und Ausländern / In der City brodelt es an einigen Stellen / Die Verwaltung reagiert

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27. Mai 2017, 05:00 Uhr

Alkoholverbot, eine eigene Ermittlungsgruppe, mehr Polizeipräsenz: Stadtverwaltung und Polizei wollen gegen die verstärkte Kriminalität in Teilen der Cottbuser Innenstadt gemeinsam vorgehen. Am 1. Juni tritt ein Alkoholverbot am Stadthallenvorplatz, dem angrenzenden Bereich Puschkinpark und -promenade sowie um das Staatstheater in Kraft, wie der Ordnungsdezernent der Stadt, Thomas Bergner, gestern ankündigte. Die Regelung sei unbefristet. Nach einer gewissen Zeit wolle man prüfen, ob sich die Lage entspannt.

Die Polizei hat zugleich ihre Streifen-Kräfte in den Abend- und frühen Nachtstunden vorort aufgestockt, wie Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke erläuterte. Mindestens zehn Beamte zusätzlich werden eingesetzt. In einer Ermittlungsgruppe „Innenstadt“ arbeiten zudem drei Mitarbeiter, die sich ausschließlich mit den Straftaten an den Brennpunkten beschäftigen. Laut Mörke wurden seit Jahresbeginn 35 Strafverfahren eingeleitet.

Die Polizei in Cottbus wird von einer Hundertschaft der Einsatzpolizei des Landes unterstützt. Mörke betonte, dass – wenn nötig – Platzverweise und Aufenthaltsverbote ausgesprochen und Täter in Gewahrsahm genommen würden.

Zudem soll es an einigen Stellen in Kürze eine Videoüberwachung geben, wie es weiter hieß. Die Stadt schickt parallel Streetworker in die Bereiche. Vor der Stadthalle soll es kein freies Wlan mehr geben, um dort die Ballung der Gruppen zu entzerren. Die Kommune habe auch im Puschkinpark einen drastischen Rückschnitt der Pflanzen veranlasst, um alle Winkel besser einsehen zu können.

An den Brennpunkten treffen mehrere Gruppen aufeinander: Trinkermilieu, Drogenszene, Jugendliche, rechte Szene und Zugewanderte. In der vergangenen Zeit kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Es gab auch Konflikte zwischen Deutschen und Ausländern, die teilweise fremdenfeindlich waren, wie es von der Polizei hieß. Man arbeite mit dem Staatsschutz in diesen Fällen zusammen. Diese Konstellation des Zusammentreffens mehrerer Gruppen an einem Platz sei in Brandenburg einzigartig, sagte Mörke. Auch Ordnungsdezernent Bergner sagte: „So wie jetzt war es noch nie.“ Vor einer Woche hatte es auf der Straße eine heftige Auseinandersetzung mit Messerstichen am Rande eines Junggesellenabschieds mit fünf verletzten Deutschen gegeben. Tatverdächtig sind laut Staatsanwaltschaft zwei syrische Jugendliche, die angaben, selbst angegriffen worden zu sein.

Mörke betonte auch, dass bezogen auf die gesamte Kriminalität in der Stadt die Zahlen rückläufig sind. Von Januar bis Ende April habe es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 20 Prozent weniger Straftaten gegeben. Auch die politisch motivierte Kriminalität sei um 60 Prozent gesunken. Es geht also um Brennpunkte in der Stadt.

Die Stadthalle ist einer der zentralen Punkte in Cottbus. Unweit davon liegen das Rathaus und der Altmarkt als zentraler Platz in der Stadt.

Die Polizei arbeitet noch an einem anderen Problem – dem der rechtsextremen Teile in der Fanszene von Energie Cottbus. „Die sind nach wie vor im Blickpunkt der Polizei“, sagte Mörke. Er bezog sich dabei auf die Gruppierung „Inferno“, die sich kürzlich aufgelöst haben will.

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