Notlandung im Kreis Märkisch-Oderland : Cockpit-Attacke kommt erneut vor Gericht

Nur noch ein Wrack: m 21. Juni 2013 überschlug sich die Cessna des Strausberger Piloten Winfried Gebhardt nach einer Notlandung in Zäckericker Loose. Er war zuvor von seinem Flugschüler in der Luft angegriffen worden.
Nur noch ein Wrack: m 21. Juni 2013 überschlug sich die Cessna des Strausberger Piloten Winfried Gebhardt nach einer Notlandung in Zäckericker Loose. Er war zuvor von seinem Flugschüler in der Luft angegriffen worden.

BGH hat Urteil gegen Flugschüler Kleomenis S. aufgehoben / Nun wird zum dritten Mal verhandelt

svz.de von
17. Juni 2016, 05:00 Uhr

Zum dritten Mal muss sich das Frankfurter Landgericht auf Weisung des Bundesgerichtshofs (BGH) mit dem Angriff des Flugschülers Kleomenis S. auf den Strausberger Piloten Winfried Gebhardt beschäftigen. Der Grieche war im Frühjahr 2015 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Ende März vergangenen Jahres hatte das Landgericht den damals 53-Jährigen zum zweiten Mal verurteilt, weil Kleomenis S. im Juni 2013 bei seiner zweiten Flugstunde mit Pilot Winfried Gebhardt die Cessna bei Zäckericker Loose (Märkisch-Oderland) fast zum Absturz gebracht hatte. Gegen das erste Urteil hatten die Verteidiger erfolgreich beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt, weil das Landgericht laut BGH nicht berücksichtigt hatte, ob der wegen versuchten Mordes Angeklagte nicht doch noch im letzten Moment von seinem Vorhaben abgelassen hatte. Durch die erneute Verhandlung reduzierte sich die Haftstrafe von neun auf sieben Jahre – von versuchtem Mord ist nicht mehr die Rede, lediglich von gefährlicher Körperverletzung und Eingriff in den Luftverkehr.

Auch das ist der Verteidigung noch zu viel. Wie das Landgericht Frankfurt (Oder) am Mittwoch bestätigt, hatte eine weitere Revision beim höchsten Bundesgericht Erfolg, so dass der Kampf im Cockpit der Cessna nun erneut vor dem Landgericht verhandelt wird – diesmal versucht sich die vierte Strafkammer an dem mysteriösen Luft-Angriff. Der BGH begründet seine Entscheidung damit, dass Kleomenis S. kurz vor der Notlandung der Cessna untätig in seinem Sitz gesessen habe und seinen ursprünglichen Plan, sich und den Piloten umzubringen, aufgegeben habe – diesen Aspekt hatte das Landgericht bereits im jüngsten Prozess berücksichtigt. Die Richter in Frankfurt, so der BGH, hätten es aber unterlassen, eine mildernde Strafe wegen tätiger Reue in Betracht zu ziehen. Die tätige Reue stellt laut BGH „einen gewichtigen Anreiz für den Täter dar, sich durch bloßes Nichtweiterhandeln eine Strafmilderung zu verdienen und dient darüber hinaus dem Opferschutz.“ Anders formuliert: Da Kleomenis S. während des dramatischen Ausbildungsflugs am 21. Juni 2013 letztlich aufhörte, auf den 76-jährigen Piloten einzuprügeln, um ihm die Kontrolle über das Flugzeug zu entziehen, müsse die Strafkammer ihm nicht nur den „freiwilligen Rücktritt“ von seinem Vorhaben, sondern auch mögliche, strafmildernde Reue zugutehalten. Bei dem Vorfall wurden beide Insassen – Pilot und Flugschüler – schwer verletzt.

Kleomenis S., homosexuell und HIV-positiv, hatte vor Gericht immer wieder behauptet, von seinem Fluglehrer in 1500 Metern Höhe sexuell belästigt worden zu sein und sich mit einem an Bord geschmuggelten Kristallstein lediglich verteidigt zu haben. Nach der Notlandung hatte sich der Grieche über Stunden verschanzt und war erst durch einen Polizeihund im Gebüsch aufgespürt worden. Die Staatsanwaltschaft unterstellte Kleomenis S. bis zuletzt erweiterten Suizid, der für das Gericht nicht nachweisbar war. „Die Tat trägt verrückte Züge“, hatte der Vorsitzende Richter Frank Tscheslog im März 2015 gesagt. Nicht verrückt, sondern einfach nur lächerlich findet das Opfer Winfried Gebhardt die Tatsache, dass der Angriff auf ihn vor fast drei Jahren nun zum dritten Mal verhandelt wird und sein früherer Flugschüler mit einem noch geringeren Urteil rechnen darf. „Aus Sicht des Opfers ist das unfassbar“, sagt Gebhardt am Mittwoch. Wann der Prozess neu aufgerollt wird, steht nach Aussagen von Landgerichtssprecherin Susanne Cramer noch nicht fest.

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