Verkehr : Club will „Taxi Mama“ ausbremsen

Haltebuchten vor Schulen erleichtern den Schulweg. Doch nicht jeder hält die Kurzparkmöglichkeiten für eine gute Idee.
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Haltebuchten vor Schulen erleichtern den Schulweg. Doch nicht jeder hält die Kurzparkmöglichkeiten für eine gute Idee.

VCD lehnt Elternhaltebuchten vor Schulen ab und will Ausbau des Nahverkehrs

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08. März 2016, 05:00 Uhr

Am vom Land geförderten Bau von Haltebuchten vor Schulen und Kindertagesstätten übt der Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) scharfe Kritik. Die „Elternhaltestellen“ für das „Taxi Mama“ seien der falsche Weg. Stattdessen müsse der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden.

„Elternhaltestellen sind nicht der Königsweg“, betont Marc Nellen, Vorsitzender des VCD-Landesverbandes. „Vielmehr sollte der öffentliche Verkehr auf dem Land ausgebaut werden“, fordert er. Anlass seiner Kritik ist die mittlerweile vierte Gemeinde, in der mit Mitteln des Landes Haltebuchten vor Schulen und Kitas gebaut wurden. In Falkensee, Cottbus, Fürstenwalde und Glienicke gibt es sie schon, weitere Kommunen haben Interesse gezeigt – als Reaktion auf den täglichen Ansturm am Morgen vor der Schule.

Dicht an dicht fahren Eltern mit ihren Kindern an Bord vor, bringen den Verkehr zum Erliegen und manchen Schüler in Gefahr. „So eine Elternhaltestelle macht sich vor allem dort bezahlt, wo viele Kinder von außerhalb zur Schule gehen und weite Wege haben“, begründet eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums gestern die Förderung aus dem Programm „Bauliche Schul- und Spielwegsicherung“. Mit entscheiden würden darüber die örtlichen Verkehrskommissionen.

Den ersten Projekten hält der Verkehrsclub Deutschland nun den im Landkreis Potsdam-Mittelmark dank des Schülertransports florierenden öffentlichen Nahverkehr entgegen. Mithilfe eines attraktiven Busnetzes, dem PlusBus im Hohen Fläming, könnten Kinder und Jugendliche selbstständig zur Schule fahren. Der Bus fahre an Wochentagen stündlich von früh um 6 Uhr bis oft in die Abendstunden und bündele so Schüler-, Berufspendel- und Freizeitverkehr. Auf der Linie von Bad Belzig nach Brandenburg/Havel sei innerhalb eines Jahres die Zahl der Fahrgäste von 144 000 auf fast 155 000 gestiegen, argumentiert der VCD-Landesverband. Der Club geht sogar noch einen Schritt weiter: Vor den Schulen sollte, wenn nicht schon geschehen, eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden.

Für Berliner Kindergärten bietet der Verkehrsclub Mobilitätsschulungen an, die schon kleinen Kindern helfen, ein Gefühl für Bewegung und Orientierung zu bekommen. „Auch das wäre eine Möglichkeit, wie nicht nur in Berlin, sondern auch in Brandenburg die Abhängigkeit der Kinder von ‚Taxi Mama’ oder ‚Taxi Papa’ verringert werden könnte“, sagt Eva Renziehausen vom VCD.

Das dem Infrastrukturministerium zugeordnete Netzwerk Verkehrssicherheit favorisiert jedoch Haltebuchten, um Schulwege sicherer zu machen. „Für manche Eltern ist es unvermeidbar, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Das führt zum Schulbeginn häufig zu hohem Verkehrsaufkommen und unübersichtlichen Verkehrssituationen vor den Schulen“, heißt es seitens des Netzwerks.

Die Logik des Verkehrsclubs erschließt sich Alexander Mewes vom Netzwerk Verkehrssicherheit nicht: „Wenn ‚mehr’ und ‚besserer’ ÖPNV, dann sind mehr Schüler mit ihm unterwegs! So einfach ist das nicht! Die Daten der ADAC-Erhebung, die man im Praxisleitfaden ‚Das Elterntaxi an Grundschulen’ nachlesen kann, nennen ganz andere Gründe dafür, dass Eltern ihre Kinder zur Schule chauffieren, als ein defizitärer ÖPNV – dieser Grund, der von den Protagonisten des VCD Brandenburg hochgestemmt wird, rangiert erst auf Platz acht und neun.“

Andreas Wendt (MOZ)

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